Impressum | Kontakt
28.04.2017

Abschied vom Brustpuffer

Von Tobias Grosse

Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Andreas Steinbrink (r.) Ende 2010 in seiner ersten Saison beim SV Anhalt Bernburg neben Enrico Nefe. (FOTO/MZ/Archiv: Engelbert Pülicher)

Bernburg/MZ - Am Samstagnachmittag, wenn der SV Anhalt Bernburg um 17 Uhr die SG Flensburg-Handewitt II zum letzten Heimspiel (Bruno-Hinz-Halle) in dieser Saison empfängt, wird Andreas Steinbrink noch einmal seines Amtes walten. Steinbrink, der 34 Jahre alte Routinier, ist der, der vor dem Anpfiff in der Kabine alle heiß macht. Als „extremer Motivator“, beschreibt ihn Steffen Cieszynski. Steinbrink macht das nicht nur mit Worten. Manchmal, wenn jemand noch nicht ganz da zu sein scheint, verteilt er auch schon mal einen auf weckenden Schlag auf die Brust. Einen guten alten Brustpuffer quasi. Und: „Da kam es auch schon mal vor“, sagt Cieszynski, „dass der eine oder andere danach husten musste.“

Andreas Steinbrink wird sich am Sonnabend verabschieden. Noch nicht ganz vom SVA, da nach dem Flensburg-Spiel noch eine Partie aussteht. Aber Steinbrink wird das letzte Mal in der Bruno-Hinz-Halle auflaufen, die seit 2010 seine handballerische Heimat war.

Abschied. Ein Wort, das gegen Ende einer Spielzeit oft verwendet wird. Vor allem letzte Heimspiele bedeuten immer auch Abschiede. Von Spielern. Von Trainern. Beim SVA sind es fünf Akteure, die mehr oder weniger das Spiel geprägt haben, die am Sonnabend zum letzten Mal für Bernburg in Bernburg auflaufen. Die Verträge von Dusan Maric und Moritz Stemmler wurden nicht verlängert, Clemens Wetzel geht ausbildungsbedingt nach Potsdam, Marcel Popa wechselt in die 2. Liga zum ThSV Eisenach.

Richtig große Emotionen wird aber wohl nur der Abschied von Andreas Steinbrink auslösen. Mit ihm geht ein verdienter Spieler, der, und bei keinem würde dieser Satz besser passen, sieben Jahre lang für den Verein die Knochen hingehalten hat. Sechs davon hat Steffen Cieszynski mit ihm zusammengespielt. Vielleicht kennt keiner aus dem aktuellen Team den Menschen und den Handballer Steinbrink besser, als der 27 Jahre alte Kapitän.

„Blinki (Steinbrinks Spitzname; Anm. d. Red.) war nach Außen immer ein ruhiger Typ“, sagt Cieszynski, „in der Kabine war er aber genau das Gegenteil.“ Steinbrink war nie um einen Spruch verlegen, wusste aber auch genau, wann was angebracht war.

„Er konnte immer die Situation einschätzen, wann Spaß drin ist und wann man ernst bleiben sollte“, sagt Steffen Cieszynski. Der Kapitän bedauert es ganz offen, dass der SVA und Andreas Steinbrink sich nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen konnten. „Er hätte in der nächsten Saison noch einmal wichtig für uns sein können. Gerade in Bezug auf die jungen Spieler, die dazukommen.“

Steinbrink sah es über all die Jahre auch ein Stück weit als seine Aufgabe an, vor allem Jüngeren den Weg zu weisen. Steffen Cieszynski erzählt in diesem Zusammenhang davon, dass junge Spieler hin und wieder dachten, sie könnten mit halbem Gas trainieren. „Wenn Blinki das mitbekommen hat“, gibt Cieszynski einen Einblick, „hat er das nicht immer verbal gelöst.“ Mit anderen Worten: Steinbrink hat dann in der Abwehr noch kräftiger zugepackt, als er eh schon tat. „Das wird uns fehlen“, sagt Cieszynski.

Mit Andreas Steinbrink verlässt nicht nur ein Routinier und hervorragender Abwehrspieler den SV Anhalt Bernburg, sondern auch einer, der Handball noch arbeitet. Seine Karriere wird er ziemlich wahrscheinlich noch ein paar Jahre in der Mitteldeutschen Oberliga ausklingen lassen. Und ganz sicher auch da ein paar Brustpuffer verteilen.
 

<< Zurück