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30.09.2019

Abstiegsglocken läuten

VON CARSTEN ROLOFF

Radek Sliwka blieb ohne Torwerfolg. (FOTO/MZ: Sven Brückner)

BERNBURG/MZ - Es laufen die letzten 50 Sekunden. Es steht 24:24. Die Bernburger sind in Ballbesitz, haben nach dem 15:19-Rückstand (46.) die große Chance, das Blatt noch zu wenden und das Duell der beiden Kellerkinder zu ihren Gunsten zu entscheiden. Doch Matija Pavlovic vertändelt den Ball. Burgdorf kontert. Johannes Krone versetzt mit seinem fünften Treffer zum 25:24 (10:10) aus Sicht der Gäste dem SV Anhalt den Knockout.

Die Szene passte genau ins Bild zum schwachen Auftritt der Schwarz-Gelben, die sich wie ein Absteiger präsentierten. Während sich die Niedersachsen vom drittletzten auf den elften Rang verbesserten, bleiben die Saalestädter als Vorletzter im Tabellenkeller hocken. "Diese Niederlage tut richtig weh", erklärte Anhalt-Coach Martin Ostermann nach dem Abpfiff.

Denn sie war unnötig und erhöht den Druck auf das Team, weil die Abstiegsglocke ganz laut läutet. Schon nach zehn Minuten machte sich Unmut auf der Tribüne breit. "Das ist Not gegen Elend", sagte ein Fan, der schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert die Heimspiele der Schwarz-Gelben verfolgt. Mit seiner Aussage hatte der Zuschauer leider den Nagel auf den Kopf getroffen. Beide Mannschaften übertrafen sich.in diesem höchstens auf Oberliganiveau stehenden Duell im Auslassen von Chancen sowie bei der Produktion von Ballverlusten und lagen dabei bei weitem über der Fehlerquote der beiden Unparteiischen, die jedoch im Endeffekt keine Mannschaft benachteiligten.

Bitter für Bernburg: Aus den 22 technischen Regelfehlern der Burgdorfer ("nur" 14 beim SV Anhalt) konnten die Hausherren kein Kapital schlagen. Es haperte an der Verwertung klarster Möglichkeiten, wobei das Unheil schon in der ersten Halbzeit seinen Lauf nahm. Rechtsaußen Nico Richter (sieben Treffer, aber 13 Versuche) und Steffen Coßbau (vier Würfe für ein Tor) trafen in Überzahl aus der eigenen Hälfte nach Ballgewinnen den verwaisten gegnerischen Kasten nicht. Statt mit einer knappen Führung ging es mit einem mageren 10:10 in die Kabine, obwohl Moritz Stemmler im Kasten sich als starker Rückhalt erwies und mit 13 Paraden (zehn in der ersten Halbzeit) seine Mannschaft im Spiel hielt.

Zu allem Überfluss drehte Veit Mävers nach dem Seitenwechsel richtig auf, erzielte insgesamt elf Treffer, davon sieben in den zweiten 30 Minuten. Die zwei verworfenen Siebenmeter des Burgdorfer Scharfschützen fielen für die Gäste nicht weiter ins Gewicht, die bis zum Schlusspfiff von ihrer 19:15- Führung (46.) zehrten.

Zum taktischen Mittel der Pressdeckung gegen Veit Mävers griff der Bernburger Trainer jedoch nicht. "Wir haben in der 6:0-Abwehrformation eigentlich gut gestanden. Wir haben vorn zu viel liegen gelassen. Das Selbstvertrauen fehlt", so Martin Ostermann, der in seiner Aussage indirekt von Tim Ackermann (100 Prozent Trefferquote), bester Mann an diesem Tage neben Keeper Moritz Stemmler, bestätigt wird. "Vieles ist einfach nur Kopfsache", so der Kreisläufer, der jedoch ein weiteres Manko direkt ansprach. "Wir haben es erst in den letzten zehn Minuten geschafft, dass der Funke vom Parkett auf die Tribüne übersprang.

Vorher war es in unserer Halle viel zu leise." In der Zukunft muss die· Mannschaft mehr "Herzblut" investieren, um die laut tönenden Abstiegsglocken zum Verstummen zu bringen. Vielleicht auch mit Hilfe eines fitten Mislav Grgic, der nur in der letzten Viertelstunde auf der Platte stand und wegen einer Schulterverletzung immer noch gehandicapt ist.

SVA: Stemmler (13 Paraden), Link (1 Parade); Marschall, Friedrich (1), Ackermann (5), Schulze, Sliwka, Grafenhorst, CoBbau (1), Grgic, Pavlovic (5), Richter (6/2), Godon (6/1)

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