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16.11.2017

Am Stock

VON TOBIAS GROSSE

BERNBURG/MZ - Max Folchert eine ziemlich typische norddeutsche Stimmfarbe. Der 24-Jährige und in Lübeck geborene Handball-Torhüter hat seinen hanseatischen Slang über alle seine Stationen auch mit zum SV Anhalt Bernburg gebracht, für den er seit mittlerweile zweieinhalb Jahren in der 3. Liga im Tor steht. Eine Sprache, geschmirgelt von Fisselregen und viel rauem Wind. Am Dienstagnachmittag klingt Folcherts Stimme noch ein bisschen
tiefer. Eine Grippe hat ihn umgehauen.

Wenn du glaubst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Folchert bräuchte, nimmt man seinen gesundheitlichen Zustand als Maßstab, aktuell wohl eher einen Scheinwerfer. Den Anhalt-Torhüter setzt gerade nicht nur die Grippe matt, sondern auch eine Bänderverletzung am linken Knöchel. "Wegen der Grippe verbringe ich meine Tage zurzeit eigentlich nur im 'Bett. Aber das tut dem Fuß bestimmt auch ganz gut", sagt er. Und lacht. Galgenhumor.

Im Abschlusstraining vor dem letzten Heimspiel des SV Anhalt gegen Eintracht Baunatal (27:33) war der 24-Jährige bei der Erwärmung ohne Fremdeinwirkung umgeknickt. Die Pleite gegen die Hessen konnte er nur in Schlappen und mit Schiene am Fuß verfolgen. Auch am Dienstag war der Knöchel noch blau. Wie schwerwiegend die Verletzung letztlich
ist, wird sich aber erst am Donnerstag herausstellen, da wird bei Folchert eine Magnetresonanztomographie durchgeführt.

Fakt ist aber, an Handballspielen ist zurzeit gar nicht zu denken. Und wohl auch am bevorstehenden Wochenende nicht. "Es würde mich schon sehr wundern,  wenn es bis dahin wieder gehen sollte", sagt auch Folchert selbst. Zumal er als Torhüter auf die volle Funktionalität seiner Knöchel angewiesen ist und er geschient oder getaped deutlich an Flexibilität verlieren würde.

Für den SVA ist der Ausfall von Max Folchert nur der nächste Nackenschlag in einer aktuell ziemlich tragischen Verletzungsmisere. Vor dem Torwart erwischte es nämlich auch schon Lucas Marschall, Kilian Kraft, Mare Godon und Julian Schulze. Alle ebenfalls am Knöchel. Die beiden letztgenannten konnten am vergangenen Wochenende gegen Baunatal
zumindest spielen. Dem SV Anhalt merkte manjedoch die Alternativlosigkeit und die mit der Zeit fehlende Kraft an. Gegen die nach einer ähnlichen Misere wiedererstarkten Hessen
war somit nichts zu holen. Interimstrainer Enrico Nefe betonte daher auch auf der Pressekonferenz nach der Partie, "keine Kritik an der Mannschaft" äußern zu wollen. "Uns fehlen zurzeit einfach die Optionen." Der SVA geht personell am Stock.

Das ganze Dilemma wird schon in den Trainingseinheiten deutlich. Teilweise standen Nefe da in Vorbereitung auf die Baunatal- Partie nur sechs Spieler zur Verfügung. In der laufenden Woche sieht es nicht viel besser aus. "Ich möchte das nicht mal richtiges Training
nennen", sagt Nefe. Mehr als ein paar taktische Feinheiten können der Interimscoach und der zweite Trainer Armands Uscins mit ihrem Team aktuell nicht durchgehen. Zu groß ist auch im Hinterkopf die Angst vor weiteren Verletzungen. Bleibt für den SVA nur zu hoffen, dass die Grippe zumindest in Folcherts Bett bleibt.
 

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