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10.03.2018

Aus dem Bett in den Stamm

VON TOBIAS GROSSE

BERNBURG/MZ - Martin Ostermann hat am vergangenen Samstagabend etwas getan, was Trainer in der Regel eher ungern tun. Als der Handball-Lehrer des SV Anhalt Bernburg nach dem 27:23-Sieg gegen den SC Magdeburg II das Hallen-Mikrofon ergriff, um das Drittliga-Derby zu analysieren, verteilte er öffentlich Lob an einen einzigen Spieler. Der SVA hatte nach dem knappen Pausenrückstand (11:12) das Spiel in der zweiten Hälfte vor allem dank des „sehr guten Marc Godon" gedreht und gewonnen. „Wenn jemand sich ein Lob verdient", sagt Ostermann, „dann sollte man das auch aussprechen." Und Godon hatte es sich ganz sicher verdient!

Sieben Tore hatte der 21-Jährige in den zweiten 30 Minuten gegen Magdeburg II erzielt und war somit zu einem, vielleicht sogar dem Garanten für den nunmehr schon vierten Erfolg in Serie geworden. Und ganz nebenbei hat Godon sich in eine hervorragende Position gebracht.

Es ist mittlerweile knapp einen Monat her, da hat mit Gabor Pulay einer der besten haibrechten Rückraumspieler der 3. Liga den SV Anhalt verlassen. Die beiden Partien danach konnten dennoch gewonnen werden, weil Bernburg den Abgang des ungarischen Profis in die 2. Bundesliga zum HC Elbflorenz Dresden im Kollektiv auffing. Eine neue Nummer eins auf Pulays Position gibt es bisher noch nicht. Ober besser gesagt: gab? Marc Godon hat sich jedenfalls in der Vorwoche gegen Magdeburg Il mit Nachdruck beworben. Das bestätigt auch. Trainer Ostermann, in dem er erklärt: „Der letzte Eindruck ist immer der bleibende."

Der Schwabe Godon studiert seit dem Wintersemester 2016/17 an der Universität in Magdeburg und kam vor knapp anderthalb Jahren zum SV Anhalt - und hatte seitdem viel Pech. In der vergangenen Saison fiel er in der Rückrunde aufgrund eines Bänderrisses im Knöchel wochenlang aus. Die komplette Sommervorbereitung verpasste er wegen eines gebrochenen Arms. Und in dieser Spielzeit hatte er schon zweimal Probleme am Knöchel, zuletzt für mehrere Wochen zum Start in die Rückrunde Anfang Januar.

Bis zum Ostermann-Debüt vor drei Wochen beim HC Erlangen II hatte der neue Trainer den 1,96 Meter großen Rechtshänder sogar nicht einmal live spielen sehen - sondern nur in Videos. Deswegen entschied er sich gegen Erlangen und Magdeburg zunächst für andere Spieler in der Startaufstellung auf halbrechts.

Godons Hauptkonkurrenten im Kampf um Spielanteile sind Chris Heyer und Patrick Schneider. Der 22-Jährige Heyer hat den Vorteil, dass er Linkshänder ist und taktisch besser auf diese Position passt. Gegen Magdebirg II tat er sich in der ersten Hälfte allerdings schwer. Ostermann aus dent Trainer-Duo mit Armands Uscins sagt zwar: „Er hat unser absolutes Vertrauen." Heyer wird sich aber wohl im Samstagabend-Auswärtsspiel bei Germania Großsachsen erst einmal hinter Godon anstellen müssen. Schneider wird, wie schon in der Vorwoche, erkrankt fehlen.
Für Marc Godon ist das Spiel auf halbrechts als Rechtshänder natürlich mit einer gewissen Umstellung verbunden. Doch wenn der SVA es so wie gegen Magdeburg spielt, mit vielen Übergängen, kann er mit seinem starken Eins-gegen-Eins eine gute Option sein. Ostermann stellt aber auch klar: „Die letzte Leistung muss er bestätigen." Godon hat keinen Freifahrtschein, könnte es aber in kurzer Zeit vom Verletztenbett in den Stamm schaffen.

Am besten natürlich schon am Samstagabend in Großsachsen im Nordwesten Baden-Württembergs. „Das wird ein Brett", sagt Ostermann. Großsachsen hat im letzten Heimspiel gegen den Tabellenzweiten SG Leutershausen gewonnen. „Wir sind aber auch sehr gut drauf", sagt Ostermann. Doch•. „Wir müssen uns auch immer neu beweisen." Gelingt das, steht dem nächsten Lob jedoch nichts im Weg.

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