Impressum | Kontakt
04.10.2018

Außer Rand und Band

VON DETLEF LIEDMANN

Trainer Martin Ostermann hat viel mit seiner MAnnschaft zu bereden. (FOTO/MZ/Archiv: Böosener)

BERNBURG/MZ - "Auch nach einer Nacht drüber schlafen bin ich immer noch frustriert", sagt Martin Ostermann. Zum großen öffentlichen Rundumschlag will der Trainer des Handball-Drittligisten Anhalt Bernburg aber dennoch nicht ausholen.

Nur so viel: "Wir haben uns, wie schon in Altenholz, mehr oder weniger selbst besiegt." Dabei habe es in der ersten Halbzeit beim 29:41 in Hildesheim gar nicht so schlecht ausgesehen. "Wir haben uns da durch eine starke Abwehrleistung kurz vor der Pause wieder herangekämpft und sind optimistisch in die zweite Halbzeit gegangen", so Ostermann. Dann aber seien die taktischen Vorgaben überhaupt nicht mehr umgesetzt worden. "Einige Spieler haben versucht, Aufgaben, die sich nur als Mannschaft lösen lassen, im Alleingang zu lösen." Nein, Namen wolle er nicht nennen. Nach dem Spiel sei er laut geworden in der Kabine. "Wir müssen das jetzt aber sachlich analysieren. Nur so können wir bei den Reinickendorfer Füchsen etwas reißen." Was schwer genug wird. "In dieser Liga hat jede Mannschaft ihre Qualitäten. Auch unsere. Aber sie setzt das noch zu wenig um."

Und das schmerze schon. Denn unter der Woche werde viel investiert. "Letztlich war es in Hildesheim eine gerechte Niederlage und auch in der Höhe verdient." Was sich so einfach anhört ist vielleicht auch heilsam für die Mannschaft, weil sie sich selbst um den Lohn ihrer Arbeit gebracht hat. "Wir müssen uns jetzt alle zusammenraufen", fordert Trainer Ostermann vor der Partie am Samstag gegen die Zweite der Reinickendorfer Füchse Berlin. Wie das zusammenraufen aussehen soll und wird, darüber will Ostermann mit seinen Spielern hinter verschlossen Türen reden. "Wie bei jeder Sportart, ist auch Handball in erster Linie eine Kopfsache. Hier gilt es anzusetzen." Das hat der Trainer allerdings auch schon nach der Niederlage in Altenholz versucht. Die Auftaktpartie in der 3. Liga war quasi ein Spiegelbild der jetzigen in Hildesheim. 17:17 stand es Ende August bei Halbzeit. Und dann ging Anhalt mit 27:37 regelrecht unter. Freilich, gleich zum Auftakt bei einem der Aufstiegskandidaten zu spielen, ist eine undankbare Aufgabe. "Was mich ärgert ist, dass wir uns dann nicht mehr an unseren Plan gehalten haben", sagte Ostermann damals. Und weiter: "In der guten Absicht, den Rückstand schnell aufholen zu wollen, agierten unsere Akteure in der Offensive zu fahrig und schlossen zu schnell ab."

Auch in Hildesheim sei insbesondere der Rückraum außer Rand und Band gewesen. Wieder habe eine kurze Phase gereicht, in welcher das Spiel aus der Hand gegeben worden ist. Dass die Mann schaft es besser kann, hat sie unter anderem im Derby gegen die Zweite des SC Magdeburg bewiesen. Offenbar macht sich aber ein flatterndes Nervenkostüm in den Auswärtsspielen bemerkbar. Niederlage in Altenholz, Sieg gegen Magdeburg. In Oranienburg verloren, zu Hause gegen Hannover Remis. Dann zwei Niederlagen in Folge. Rostock (29:33) und nun Hildesheim. Bemerkenswert außerdem, dass 35 Treffer zu Hause gegen Hannover nur zu einem Punkt gereicht haben. Mit gerade einmal drei Punkten steht Anhalt auf Tabellenplatz 14. Das ist schlicht und ergreifend ein Abstiegsplatz. Da ist die Aufgabe für das Heimspiel klar umrissen. "Wir brauchen gegen Reinickendorf einen Sieg." Denn die Füchse liegen unmitte1bar vor Anhalt.

Mit einem Sieg könnte den Bernburgern im günstigsten Fall der Sprung auf Platz elf gelingen. Doch dazu muss Martin Ostermann erst einmal die Köpfe seiner Spieler frei bekommen. Und das ist vielleicht fast noch schwieriger, als den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Nach sechs von 30 Spielen ist noch nichts verloren. Aber ein erster Fingerzeig sind sie allemal.

<< Zurück