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02.10.2017

Brutal gegen halbherzig

VON TOBIAS GROSSE

BERNBURG/MZ - Manchmal reicht eine Szene, um eine ganze Partie charakterisieren zu können. So geschehen am zurückliegenden Samstagnachmittag in Bernburg, Wenige Augenblicke vor dem Seitenwechsel hatte der SV Anhalt Bernburg den vermeintlich letzten Angriff der ersten Hälfte und die Möglichkeit, auf 14:18 zu verkürzen. Doch Gabor Pulay und Kilian Kraft waren sich plötzlich überhaupt nicht einig, und Christopher Bissel nahm den Ball auf und lief in Seelenruhe auf Keeper Florian Link zu. Anstatt nur vier Treffer war der HC Erlangen II zur Pause nun sechs vorn.

Bernburg hat gegen die Bundesliga-Reserve am Ende eine 26:35-Ohrfeige kassiert. Es war die erste Heimniederlage für den SVA in der neuen Drittliga-Saison nach zuvor drei Siegen. Und der erste richtig große Rückschlag.

Es ging ganz schön schnell am Sonnabend. Nach gerade einmal zehn Minuten lag der SV Anhalt schon mit fünf Toren Rückstand zurück (3:8), weil die Gäste sämtliche Fehler in Bernburgs Offensive "eiskalt bestraft hat", sagte Kilian Kraft nach der Partie. "Eigentlich", so Kraft, "war da schon eine Entscheidung getroffen."· Freilich waren noch 50 Minuten zu spielen. Doch Kraft, den 34 -jährigen Routinier, beschlich ob des Gegners ein böses Gefühl. "Sie haben sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen, egal was wir versucht haben." Kraft sieht Erlangen II am Ende der Saison "ganz oben" .

Nun ist das aber natürlich keine Erklärung dafür, dass der SVA eine so durchwachsene Leistung gezeigt hat. Hat sich die Mannschaft nach drei souveränen Siegen in eigener Halle vielleicht zu weit gewähnt? "Nein", sagte Kilian Kraft entschlossen, "wir müssen uns einfach eingestehen, dass sie an diesem Tag deutlich besser waren. Das ist so natürlich nicht schön, aber wir haben auch ganz klar gesehen, woran wir arbeiten müssen."

Das war insbesondere das Eins-gegen-Eins-Verhalten, defensiv wie offensiv. "Das ist eine große Schwäche von uns", gab Kraft zu. .Wirführen Zweikämpfe nicht so, wie man sie führen muss." Wie es geht, hat Erlangen gezeigt. "Wenn da einer ausgespielt wurde, kam der nächste und hat so brutal zugemacht, dass zu war. Bei uns war das alles so halbherzig, dass es immer Siebenmeter gab."

Der SV Anhalt muss den Rückschlag jetzt schnell aus den Köpfen bekommen, schon am Freitag geht es mit dem Derby beim SC Magdeburg II weiter. "Wir müssen die Kurve kriegen und da gewinnen", sagte Kraft. Zweikampfstärke vorausgesetzt.

SV Anhalt: Folchert, Link; Cieszynski (3), Pulay (10/5), Marschall (1), Kraft, Friedrich, Ackermann (5), Schneider (2), Heyer, Godon, Schulze, Richter (5)
 

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