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04.05.2018

"Das geht mir extrem nahe"

VON TOBIAS GROSSE

Max Folchert steht am Sonnabend das letzten Mal im Anhalt-Tor. (FOTO/MZ/Archiv: Bösener)

BERNBURG/MZ - Nachdem Max Folchert am Mittwochabend die urige Gaststätte "Sägewerk" im Herzen Bernburgs betrat, tat er sich schwer bei seiner Entscheidungsfindung. Kartoffelecken oder Bauernfrühstück? "Ich weiß nicht, was ich essen soll", sagte der 24 Jahre alte Handball-Torwart und lachte. Es war symbolisch, Folchert hat sich auch die Entscheidung, den Drittligisten SV Anhalt Bernburg im Sommer zu verlassen, nicht leicht gemacht. Vor dem letzten Saisonspiel am Sonnabend gegen den HSC Coburg II - und bevor er seine Kartoffelecken serviert bekam - hat er sich mit Tobias Große über seinen Entschluss und seine drei Jahre in Bernburg unterhalten.

Herr Folchert, dass Sie den SV Anhalt verlassen, steht bereits einige Wochen fest, nur Ihren neuen Verein wollten Sie noch nicht verraten. Vor dem letzten Spiel können Sie dochjetzt bestimmt die Karten auf den Tisch legen. Wo geht es hin?
Max Folchert: Ja, jetzt kann man es offiziell verkünden. Ich wechsle im Sommer zum Drittliga-Aufsteiger HSG Ostsee.

Vor drei, vier Wochen gab es ja quasi diesen Tag der Wahrheit. Laut Enrico Nefe war Ihr Verbleib in Bernburg eigentlich schon eine beschlossene Sache, bis sich die HSG Ostsee dann noch einmal gemeldet hat?
Genau, ich hatte mich wirklich schon für Bernburg entschieden. Dann kam aber noch einmal ein Telefonat mit Ostsee und ich bat noch um einen Tag Bedenkzeit. W

ie kann man sich diesen Tag vorstellen?
Schwierig. Ich habe ja immer betont, dass Ich mir gut vorstellen kann, noch in Bernburg zu bleiben. Deswegen hatte ich im Kopf mehr oder weniger schon verlängert. Aber dann kam das andere Angebot noch mal. Und ich habe dann noch einmal überlegt, wie mein Alltag hier und dort aussieht: Wo wohne ich? Wo studiere ich? Was ist der Mehrwert gegenüber dem, was ich hier habe?

Die Entscheidung an jenem Tag fiel am Ende für die HSG Ostsee. Und Enrico Nefe war sich sicher, dass Sie bei der Bntscheidungsflndung feuchte Augen hatten. Hand aufs Herz, war es so?


Naja, ich saß jetzt nicht weinend irgendwo herum (lacht). Aber es ist mir definitiv extrem schwergefallen. Ich freue mich auf die neue Aufgabe, aber Bernburg zu verlassen, geht mir extrem nahe.

Sie mussten zum Zeitpunkt dieser ganzen Überlegungen ja auch noch Ihre Bachelorarbeit schreiben. Anjenem Tag konnten Sie wahrscheinlich nicht viel dafür machen, oder?
(lacht) Überhaupt nichts. An dem Tag nicht und an dem Tag danach auch nicht. Und das Problem war, es war meine letzte Woche. Eine Katastrophe. Aber im Endeffekt ist alles gut gegangen und ich habe alles bestanden.

Vor Ihren drei Jahren in Bernburg waren Sie zwei Jahre im Süden bei der HSG Konstanz.
Nach fünf Jahren geht es für den Lübecker Folchert nun also nach Hause in den Norden. Was überwiegt: Die Vorfreude oder Abschiedsmelancholie?

Wenn ich ehrlich bin, gerade keines von beidem. Es ist auch nicht so, dass ich Angst vor Samstag habe, weil es traurig werden könnte. Vielmehr freue ich mich ziemlich darauf. Erstens auf das Spiel, auf meine Abschiedsfeier danach, auch auf die Fans. Ich bin eher in einer euphorischen Stimmung.

Können Sie sich schon vorstellen, wie die "letzten Male" sein werden? Also das letzte Training, das letzte Spiel.
Ich hatte das in Konstanz ja auch schon. Man nimmt alles deutlich intensiver wahr. Das Abschlusstraining wird bestimmt krass, vor allem aber das Spiel. Das wird mehr Tunnel als sonst.

Wenn Sie in Zukunft jemand von der HSG Ostsee fragt, was es eigentlich über den SV Anhalt Bernburg zu wissen gibt, was würden Sie ihm sagen?
Dass hier alle geradeheraus sind. Man kann hier mit allen offen reden. Und auch das engste Umfeld mit dem Handballförderverein "Bärenpower" und dem Fanclub ist außergewöhnlich für diese Liga. Es wird dir bei allen Sachen extrem geholfen, auch jetzt wo ich weggehe. In Bernburg steckt vielleicht nicht das große Geld dahinter, aber unheimlich viel Leidenschaft.

Wenn es in den letzten zwölf' Monaten um Ihre Zukunft ging, kam man an dem Thema 2. Bundesliga nicht vorbei. Die Angebote waren bereits da. Ist die 2. Liga mittel- bis langfristig noch ein Ziel?
Ja, schon. Ich würde es auf keinen Fall ausschließen. Aber ich entscheide immer an mehreren Faktoren, was das Beste für mich ist. Es hätte für mich bisher keinen Sinn gemacht, zu einem Zweitligisten zu gehen, wo ich irgendwo im Nirgendwo und nicht glücklich bin mit dem, was ich mache.

Mitte des Jahres findet in der Ligaja immer eine spannende neue Staffeleinteilung statt, wo der SV Anhalt in den letzten Jahren zwischen der Ost- und Nordstaffel gependelt ist. Sie werden mit Ihrem neuen Verein im Norden spielen. Wie wäre es, wenn Bernburg auch in die Nordstaffel kommt?
Da gibt es zwei Gedanken: Es wäre zwar extrem bitter, wenn man sich die Punkte gegenseitig klaut - aber der Gedanke ist klein. Denn im Endeffekt wäre es extrem geil. 

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