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27.07.2017

Der tätowierte Herr Tuschy

VON TOBIAS GROSSE

Hendrik Tuschy, der neue Trainer des SV Anhalt Bernburg. (FOTO/MZ: Franziska Gora)

BERNBURG/MZ - Hendrik Tuschy fällt in die Kategorie Mensch, die man sich erst einmal ganz anders vorgestellt hat. Wenn man den 43 Jahre alten Handballcoach sieht, ist man schon ein bisschen überrascht von den bunt tätowierten Armen und Beinen. Ein Kleeblatt, ein Herz inklusive Anker, ein alter VW-Bus - und noch einige andere Sachen sind auf seinem Körper verewigt.

Seit kurzem ist Tuschy neuer Trainer des Handball-Drittligisten SV Anhalt Bernburg. Nicht alleine, nein. Im Duo mit Armands Uscins, der den SVAim vergangenen Sommer übernahm und auf Rang neun führte - aber dringend Unterstützung benötigte. Die hat der Sportliche Leiter Enrico Nefe mit Tuschy gefunden. Uscins und er sind komplett gleichberechtigt. Doch: Wer ist der tätowierte Herr Tuschy überhaupt?

"Ich bin ein relativ entspannter Mensch", sagt er über sich selbst - um dann aber direkt noch hinterherzuschieben: "So lange alles so läuft, wie besprochen." Hendrik Tuschy bezeichnet sich als sehr ehrgeizige Person. Und wie tickt er als Trainer? "Der Trainer Tuschy ist noch mal ehrgeiziger als der Mensch Tuschy." Der 43-Jährige hat früher nie selber höherklassig Handball gespielt. Er hatte also keine großen aktiven Vorkenntnisse, und auch keine Lobby des ehemals Aktiven. "Ich musste mir alles hart erarbeiten, um in so einer Liga zu arbeiten, wie jetzt", sagt er. "Das erwarte ich auch von den Spielern."

Tuschy bezeichnet sich wegen seiner größtenteils theoretischen Ausbildung auch als "modernen Trainer". Er sagt: "Es ist gut möglich, dass man auch mal etwas zu sehen bekommt, was nicht so alltäglich ist." Beim SV Anhalt ist er vorrangig für die technisch/taktischen Bereiche zuständig, Uscins' Augenmerk liegt auf der Abwehr und den Grundlagen.

"Wir ergänzen uns gut", findet Hendrik Tuschy, der für die Verbände Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Trainer ausbildet und deswegen ein sehr kommunikativer Typ ist. Eine Eigenschaft, die Uscins nicht hat. Der Lette, hundertfacher Nationalspieler, beobachtet lieber und analysiert.

Das war auch letzten Samstag zu sehen, als im ersten Vorbereitungsspiel gegen den ThSV Eisenach (21:27) vornehmlich Tuschy neben der Bank stand und die Anweisungen gab. Ein Trainer-Gespann ist für alle Beteiligten beim SVA neu. Weder Tuschy noch Uscins kennen das aus eigener Erfahrung. "Das ist eine große Umstellung", gibt Hendrik Tuschy zwar zu, spricht im gleichen Atemzug aber auch von einem "puren Luxus". Denn: "Bisher habe ich immer auch ohne Co-Trainer gearbeitet."
 
Qualitativ ist Anhalt Bernburg auf der Trainer-Position mit dem Gespann auf jeden Fall richtig gut aufgestellt. Doch: "Das Konzept birgt natürlich auch' Gefahren", sagt Hendrik Tuschy. "Die Mannschaft könnte versuchen, uns gegeneinander auszuspielen."

Der Neue im Gespann glaubt jedoch nicht, dass es soweit kommt. .Armands und ich sind auf einer Wellenlänge", sagt er. Und selbst wenn beide sportlich mal unterschiedlicher Meinung sind, muss das nicht von Nachteil sein. "Für Erfolg ist ein Reizklima gar nicht so schlecht", findet Tuschy.
 

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