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20.01.2020

Ein Fehlwurf-Festival

VON DETLEF LIEDMANN

Schwer durchzukommen für Tim Ackermann gegen Vinnhorst. (FOTO/MZ:Lothar Semlin)

42 Minuten waren in der Bruno-Hinz-Halle am Samstag gespielt, da sprangen fast alle der 370 Zuschauer auf. Matija Pavlovic hatte Anhalt Bernburgs Handballer in Führung gebracht. Aus einem 19:22 machten die Saalestädter ein 23:22. Es war ihre erste und einzige Führung im Drittligaspiel gegen TuS Vinnhorst. Am Ende verloren die Gastgeber mit 27:31.

„Das wird schwer“, hatte Anhalts Präsident Reinhard Krause schon zur Halbzeit erkannt. „Gegen diese Aufbaureihe. Und der Kreisläufer hat Zweitliganiveau.“ Tatsächlich vereinten die Rückraumschützen Hendrik Pollex (8) und David Sauß (7) sowie Kreisläufer Milan Mazic (9) 24 der 31 Vinnhorster Treffer auf sich. Allerdings hätte Mazic ab der elften Minute schon gar nicht mehr auf der Platte stehen dürfen. Beim Siebenmeter hatte er Anhalts Keeper Florian Link den Ball an den Kopf geknallt. Zur Erinnerung: Im Auftaktspiel der Europameisterschaft sah der deutsche Kapitän Uwe Gensheimer Rot, nachdem er den niederländischen Torhüter Bart Ravensbergen beim Siebenmeter am Kopf getroffen hatte. Unstrittig hieß es, sei die Rote Karte. Lag es daran, dass Link, offenbar vollgepumpt mit Adrenalin, ob des nicht versenkten Balles jubelte statt umzufallen? Es wird das Geheimnis der Unparteiischen Alexander Kieslich und Morten Renner (Güstrow) bleiben. Wie einige andere Entscheidungen.

Daran lag es aber am Ende wohl nicht. 17 Fehlwürfe leisteten sich die Gastgeber, machten zudem neun technische oder Anspielfehler. Und wenn ein Nico Richter im Gegenzug völlig frei den Ball per Aufsetzer übers Tor platziert, dann ist das bezeichnend dafür, wo die Säge geklemmt hat. Nach nur neun Minuten nahm Trainer Martin Ostermann die erste Auszeit. Ja, musste sie nehmen, um sein Team wieder auf Kurs zu bringen.

1:6 hieß es zu diesem Zeitpunkt. Link hatte noch nicht einen Ball gehalten, Marc Godon erst nach sechs Minuten zum zwischenzeitlichen 1:3 getroffen. Peu a peu arbeiteten sich die Saalestädter heran. 3:6 (12.) hieß es und 8:10 (17.). Bei Halbzeit lag Anhalt 15:17 im Hintertreffen. „Oh, das ist viel“, sagte Präsident Krause, als ihm die Fehlwurfquote von acht zu diesem Zeitpunkt zugerufen wurde. „Wir könnten mindestens Gleichstand haben.“

Vielleicht hätten die Gastgeber sogar mehr haben können. Nicht nur bei Halbzeit, sondern auch bei Spielende. Mithin steigerten sich alle. Und sie kämpften. Allen voran diesmal Pavlovic, der siebenmal einnetzte. Link wehrte insgesamt neun Würfe ab, darunter zwei Siebenmeter. Doch am Ende reichte es nicht, weil nach dem 23:22 acht Minuten kein Treffer mehr gelang und Vinnhorst nicht nur ausglich, sondern bis zur 50 Minute auf 28:23 davonzog. Das war eine Vorentscheidung. Und nicht nur spielerisch und in punkto Abschlusssicherheit waren die Gäste aus Hannover an diesem Samstag den Gastgebern ein Stück voraus, sondern auch in Sachen Cleverness. Da wird ein Gegenzug eben auch mal dadurch unterbunden, dass der Trainer aus scheinbarer Aufgeregtheit seine Brille ins Spielfeld fallen lässt und die Schiedsrichter pfeifen, um ihn zu verwarnen.

Nach 58 Minuten war der Drops gelutscht (26:31). Marc Godon markierte den letzten Treffer. Und bezeichnend für den Gemütszustand Anhalts knallte Niklas Friedrich zehn Sekunden vor Schluss den Ball völlig frei an die Latte. Noch beträgt der Vorsprung zur Abstiegszone sechs Punkte. Doch es warten schwere Gegner. Nächsten Samstag zum Beispiel an der Ostsee der Tabellenzweite Empor Rostock und anschließend Burgdorfs Reserve.

SVA: Link - Marschall (1), Friedrich (1), Ackermann (3), Schulze (1), Grafenhorst (1), Coßbau, Grgic (5), Pavlovic (7), Richter (4/3), Godon (5)
 

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