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07.04.2017

Ein Mann mit Geschichte

VON TOBlAS GROSSE

Das Debüt als Trainer des HSV Hamburg endete für Torsten Jansen (Mitte) mit einem Sieg über Tabellenführer Altenholz. (FOTO/MZ: Thorge Huter/Fishing4)

Bernburg/MZ - Mehr als zehn Jahre sind mittlerweile schon wieder vergangen. Aber klar, hin und wieder muss Torsten Jansen noch die alten Geschichten auspacken. „Eher selten“, beschwichtigt er zwar, „ist ja mittlerweile auch alles Schnee von gestern.“ Doch es ist eben Schnee, der, um im Duktus zu bleiben, auch viel heller scheint als der ganz normale. Denn Jansen, heute 40 Jahre alt, dunkle Haare, 1,85 Meter groß, hat nicht irgendwelche Geschichten zu erzählen. „Toto“, wie sie ihn überall nur rufen, ist mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft 2007 Weltmeister im eigenen Land geworden.

Freilich, seitdem hat sich viel verändert. Das Wichtigste aber erst im vergangenen Sommer. Jansen hat aufgehört. Nach 16 Jahren Handball-Bundesliga, weit mehr als 400 Spielen, über 1500 Toren. Torsten Jansen ist 2011 Deutscher Meister geworden, hat 2013 die Champions League gewonnen. Alleine schon diese Zahlen zeigen, was da am bevorstehenden Sonnabend für eine Galionsfigur des Handballs auf der Gäste-Bank sitzen wird, wenn der SV Anhalt Bernburg um 17 Uhr in der Bruno-Hinz-Halle den Handball Sport Verein Hamburg empfängt.

Der HSV Hamburg ist der mit Abstand größte Gegner, den der SVA in dieser Spielzeit hat. Nicht unbedingt nur unter sportlichen Gesichtspunkten, sondern vor allem in Sachen Prestige. Hamburg, das klingt nicht nach 3. Liga, nach Spielen in Altjührden oder Beckdorf. Sondern nach Champions League, nach Barcelona und Paris. Nur die Insolvenz im Januar 2016 hat es möglich gemacht, dass der Club in der 3. Liga wieder neu anfangen musste.

Der Name zieht aber auch zwei Ligen weiter unten noch immer. Im Schnitt kommen zu den Heimspielen über 3000 Zuschauer. Auch die Hallen, in die Hamburg reist, sind immer voll. Auch Bernburg betitelt das Spiel gegen den HSV als „Spiel des Jahres“.

Und vor gut anderthalb Wochen ist der Hype vielleicht noch etwas größer geworden. Hamburg stellte Trainer Jens Häusler frei. Ein überraschender Schritt, auch für Torsten Jansen. „Sportlich lief es nicht so schlecht“, sagt er. Hamburg war Dritter, noch immer mit Chancen auf den Relegationsplatz zwei.

„In der Mannschaft haben wir einen Vertrauensverlust gegenüber dem Trainer festgestellt und sahen uns zum Handeln verpflichtet“, begründete aber Marc Evermann, der Präsident des HSV, den Schritt auf der Internetseite des Vereins.

Zweifelsfrei verlor Hamburg mit Häusler einen absoluten Fachmann, aber er war eben auch keiner, der die Strahlkraft eines Torsten Jansen hat. Jansen, der bis dahin und bis zum Ende der Saison weiter auch die A-Jugend trainiert, übernahm das Doppel-Amt. „Zum Wohle des Vereins“, wie er sagt.

Und dass der 40-Jährige mehr als eine Übergangslösung sein könnte, deutete Sportchef Martin Schwalb schon an: „Wir wissen alle, was für ein guter Trainer Toto ist.“ Mit Jansen steht die A-Jugend des HSV auf Rang zwei in der Bundesliga-Nord und hat erstmals die Chance, es in das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft zu schaffen.

Jansen selbst sagt dennoch, dass ihm der Übergang vom Handball-Spieler zum Handball-Trainer am Anfang schon schwerfiel. „Es war nicht einfach zu akzeptieren“, gesteht er. Und: „Zum großen Teil bin ich im Kopf auch noch Spieler“, sagt Jansen, „so erreicht man die Jungs auch besser.“

Wie gut er mit seiner ruhigen und besonnenen Art auch nach wenigen Einheiten bereits das Drittliga-Team des HSV erreicht, hat der vergangene Freitag gezeigt. Hamburg gewann die erste Partie unter Leitung des Weltmeisters zu Hause gegen den Tabellenführer TSV Altenholz (37:34). Wie groß Jansens Anteil daran war? „Das kann und will ich nicht bewerten“, sagt er.

Mit Torsten Jansen auf der Bank will der HSV Hamburg in den letzten Spielen vielleicht doch noch den Sprung auf den zweiten Tabellenplatz schaffen. Die Chancen darauf, und ob es für die Vereinsentwicklung besser wäre, in der kommenden Saison in der 2. oder 3. Liga zu spielen, will er aber ungern kommentieren. „Das ist alles noch zu spekulativ und nur konjunktivbehaftet“, sagt Jansen.

Und ein Nicht-Aufstieg wäre für seine eigene Zukunft als Chef-Trainer des HSV vielleicht gar nicht so schlecht. Denn auch wenn vieles dafür spricht, dass Torsten Jansen langfristig bleiben soll, fehlt ihm derzeit noch die Trainerlizenz für das Profigeschäft. Nach seiner Karriere hatte er in einem Schnellkurs für Nationalspieler nur eine B-/C-Lizenz erworben. Die gilt nicht für die 2. Bundesliga.

Darüber macht sich Torsten Jansen aktuell aber erst einmal genau so wenig Gedanken wie über das, was vor über zehn Jahren passiert ist. Denn: „Dafür lässt uns das Tagesgeschäft gar keine Zeit“, erzählt der 40-Jährige. Für den HSV heißt das am bevorstehenden Sonnabend SV Anhalt Bernburg. „Ein Traditionsverein“, weiß Jansen.

Und vielleicht hat er ja nach dem Spiel auch noch ein bisschen Zeit für die eine oder andere Anekdote von damals.

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