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20.11.2017

Entscheidung nach dem Schlusspfiff

VON TOBIAS GROSSE

"Unser Plan ging super auf." Enrico Nefe (FOTO/MZ/Archiv)

BERNBURG/MZ - Natürlich wurde Enrico Nefe auf der Rückfahrt auch als Psychologe benötigt. Bevor sich der Trainer des SV Anhalt Bernburg als Seelsorger für die eigenen Spieler beweisen konnte, musste er aber selber erst einmal durchschnaufen. Fünf Minuten, um die 60 Minuten und die knappe 24:25-Niederlage bei der HSG Rodgau Nieder-Roden, die er nach dem Schlusspfiff auf der Pressekonferenz erläutern sollte, zu verarbeiten.

Denn: Der SV Anhalt Bernburg hatte wieder einmal eine tolle Leistung geboten. Ja, sicherlich auch zum dritten Mal in Folge verloren. Aber auch diesmal wieder stark ersatzgeschwächt antreten müssen. "Hätte mir vorher jemand gesagt, dass wir hier so lange mithalten können, hätte ich das sofort unterschrieben", sagte Enrico Nefe.

Und viel länger hätte sein Team gar nicht mithalten können, als es das vor 612 Zuschauern in der Sporthalle Nieder- Roden zeigte. Mit dem Schlusspfiff hatten die Gastgeber eine Rote Karte gesehen, der SV Anhalt deshalb einen Siebenmeter erhalten und damit noch einmal die Chance auf einen Zähler. Gabor Pulay, der zuvor drei seiner vier Strafwürfe verwandelt hatte, stellte sich der schwierigen Aufgabe und scheiterte. Vorwürfe vom Trainer gab es aber nicht. Zurecht nicht. ,,Am Ende fehlt uns einfach die Kraft", so Nefe. Mit neun Spielern hatte er die schwierige Aufgabe beim Tabellendritten angetreten. Neben allen Verletzungsproblemen musste auch noch Tim Ackermann kurzfristig absagen. Schon auf der  Hinfahrt wurden die verbliebenen Spieler vom Physiotherapeuten behandelt, damit sie die 60 Minuten überstehen würden.

An einen normalen Trainingsbetrieb ist schon seit Wochen nicht zu denken, und doch wurde das Team vor dem Spiel in Rodgau offensichtlich perfekt vorbereitet und eingestellt. Kurzzeitig lag der SVA in Führung, hielt die Partie ansonsten immer offen und ließ den Gegner nie weiter als auf drei Tore (10:7, 17.) davonziehen. Einen entscheidenden Anteil daran hatte auch Florian Link, der als einziger Torwart zur Verfügung stand und 15 Würfe parieren konnte. "Unser Plan ging sehr gut auf", sagte Enrico Nefe, "deshalb war die Halle auch sehr ruhig."

Erst in der Schlussphase, als die Entscheidung immer näher rückte, waren die Fans zu hören. Die Fehler im Spiel verursachten sie allerdings nicht. Mit fehlender Kraft ließ beim SVA auch die Konzentration im Abschluss nach. Und das kann der Trainer seinen Spielern nicht zum Vorwurf machen. "Wir drücken den Spielen, gerade auswärts, unseren Stempel auf. Und das macht mich stolz", so Nefe. Und deshalb gibt es in dieser Woche auch einen freien Tag für die Spieler.

SVA: Link, Pulay (10/5), Cieszynski, Friedrich (3), Marschall, Schneider (3), Heyer (1), Godon (3), Schulze (2), Richter (2)
 

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