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12.03.2018

"Es hat wehgetan"

VON TOBIAS GROSSE

BERNBURG/MZ - Dass der SV Anhalt Bernburg eine junge, fast jugendliche Mannschaft hat, verdeutlichte am zurückliegenden Samstagnachmittag noch einmal die Busfahrt nach Großsachsen. Die im Durchschnitt gerade einmal knapp 23 Jahre alten Drittliga-Handballer vertrieben sich die Zeit auf der gut fünfeineinhalb Stunden langen Tour mit Pokemon-Karten, Die kultigen Fantasiewesen aus der gleichnamigen Serie standen bei wohl jedem Kind der 1990er und 2000er Jahre hoch im Kurs. Doch auch das Spiel beim TV Germania Großsachsen verdeutlichte noch einmal die Jugend des SV Anhalt.

Nach den zuletzt fünf ungeschlagenen Spielen und vier Siegen in Folge hat Bernburg im Nordwesten Baden-Württembergs nämlich eine brutale Schwankung gezeigt und mit 30:42 eine Klatsche und freilich die höchste Saisonniederlage kassiert. "Ich bin immer noch dabei, dafür eine Erklärung zu finden", sagte Martin Ostermann am Sonntagnachmittag. Der 33 Jahre alte Trainer aus dem Gespann mit Armands Useins war gerade auf dem Weg ins niedersächsische Northeim. Dort 'hat er den kornmerrderr Gegner des SVA (Norheimer HC) beobachtet und sich auf der Hinfahrt noch viele Gedanken über das gemacht, was am Abend zuvor geschehen war. "Als sich im Laufe des Spiels so langsam angedeutet hatte, was da gerade passiert, hat das echt sehr wehgetan", sagte er. Und gab unumwunden zu: "Es tut auch heute noch weh."

Bernburg hat in Großsachsen sein mit Abstand schlechtestes Spiel im Kalenderjahr 2018 abgeliefert. Man kann nun zur Verteidigung anmerken, dass mit Patrick Schneider und Chris Heyer zwei Spieler krank gefehlt haben und das auch Niklas Friedrich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Oder dass die Vorbereitung auf die Partie vor allem am Freitag schwierig und die Busfahrt ziemlich lang war. All das möchte Martin Ostermann aber nicht als Ausrede gelten lassen. "Man kann mit solchen Umständen ein Spiel verlieren", sagte er, "aber das war viel zu hoch."

Schon in den ersten 30 Minuten zeigte der SV Anhalt zuletzt ungewohnte Schwächen in der Abwehr. "Wir haben sehr große Lücken gelassen", so Ostermann, der auch in der Offensive wenig erquickliches sah. Ungeduldig agierte Bernburg und lief schon in der ersten Halbzeit in sieben Kontergegentore. Zur Pause hatte Anhalt schon 21 Gegentreffer, bei 14 eigenen Toren. Das Debakel nahm seine Form an.

Martin Ostermann glaubt, dass dieser erhebliche Einbruch im Vergleich zu den Vorwochen auch  eine Einstellungssache war. "Ich denke schon, dass die letzte Anspannung nicht da war", sagte der Trainer. Bernburg war zuletzt sehr erfolgreich, hat beim Tabellenzweiten in Erlangen gewon. nen, auch das Derby gegen den SC Magdeburg Il. "Ich glaube, wir waren einfach zu locker", so Ostermann. Wähnte sich der SV Anhalt schon weiter, als er ist?

Diese Niederlage - vor allem in dieser Art und Weise - ist nicht schön, das ist ganz klar. Aber Ostermann hofft nun, dass sie Wirkung zeigt. "Das tut, glaube ich, ganz gut, damit wir uns alle mal . wieder hinterfragen", sagte er auf seinem Weg nach Northeim. Nach dem anstehenden Videostudium der Großsachsen-Klatsche steht das nächste Spiel voll und ganz im Fokus. Und: "Nach Niederlagen", erklärte Martin Ostermann, "bin ich immer besonders motiviert."

SVA: Folchert, Link; Cieszynski (7), Kraft (2), Marschall (1), Friedrich (3), Ackermann (5), Godon (4), Schulze, Richter (8/5)

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