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07.05.2018

Feuchte Augen zum Ende

VON TOBIAS GROSSE

Armands Uscins wurde von Frank Conrad und Klaus Kahler verabschiedet. (FOTO/MZ/Heike Gehrke)

BERNBURG/MZ - Nein, so richtig wusste Armands Uscins noch nicht wohin mit allem. Am Samstagabend wurde der 44 Jahre alte Lette vor dem letzten Saisonspiel des SV Anhalt Bernburg gegen den HSC Coburg II nach zwei Jahren auf der Trainerbank beim Handball-Drittligisten verabschiedet. Wie es für ihn war? "Gute Frage", sagte er und lächelte. Eine 25:28-Niederlage hatte Useins im sportlich für den SVA wenig bedeutenden Spiel in der Bruno- Hinz- Halle noch einmal gesehen. Wichtiger aber: "So richtig ist das Gefühl des Abschieds noch nicht angekommen. Das kommt sicher noch", so Uscins.

Es waren zwei turbulente Jahre, die der lettische Nationaltrainer beim SV Anhalt verbracht hat. Im Sommer 2016 kam er als Nachfolger vom zum HC Elbflorenz Dresden gewechselten Christian Pöhler und spielte mit dem Team eine starke erste Hinrunde. In der Rückserie rutschte Bernburg aber sogar noch einmal in den Abstiegskampf ab. Ab Sommer bildete Uscins dann ein Trainer-Gespann mit Hendrik Tuschy, der aber schnell wieder hinschmiss, danach übernahm schließlich der Sportverantwortliche Enrico Nefe die Coach-Rolle mit Uscins, bis im Februar 2018 Martin Ostermann kam - seitdem war Uscins eher in der Rolle des Co-Trainers. "Was in diesen zwei Jahren alles passiert ist, kann man gar nicht in einen Satz fassen", sagte der Lette, der einst auch als Kreisläufer in der Not beim SVA aushilf. Und er lachte. Fest stand für ihn aber: "Mitnehmen kann man auch von solchen Stationen etwas."

Wie es für'Armands Uscins im Vereinshandballjetzt weiter geht, steht noch nicht fest. Gespräche mit anderen Clubs, bestätigte er, gab es und gibt es freilich. Mehr aber bisher noch nicht. Er wird jetzt erst einmal ein bisschen mehr Zeit in die Nationalmannschaft investieren. "Aber ich habe schon Lust, wieder einen Club zu trainieren", sagte Uscins. Der Coach war am Samstagabend aber freilich nicht der einzige, der mit großen Ovationen von der Zuschauern vor der Partie verabschiedet wurde. Physiotherapeut Heiko Block zieht sich zurück, mit Keeper Max Folchert und Patrick Schneider verlassen zudem zwei Spieler den SVA. Folchert gestand danach: "Ich hatte vor dem Spiel schon ein paar Tränen in den Augen."

Für den 24-jährigen Torhüter, der zum Drittliga-Aufsteiger HSG Ostsee wechselt, war es ein emotionaler Abend in Bernburg. Er war ungewöhnlicherweise diesmal auch derjenige, der das Team vor dem Spiel noch einmal eingeschworen hat. Mit einer "emotionalen Ansprache", wie er verriet. Dass es am Ende dennoch keine Zähler zum Ende gab, konnte Folchert verkraften, da sich andere Momente einbrannten, wie der letzte Abpfiff im Anhalt-Trikot: "Das war auf der einen Seite traurig, aber auch eine Erleichterung. Das Spiel war in den letzten Tage doch sehr präsent. Mit dem Abpfiff konnte ich loslassen."

Für Patrick Schneider war der Samstagabend ebenfalls ein besonderer Moment. Wie Folchert war der Rückraumspieler aus Ungarn jetzt drei Jahre in Bernburg. Und auch wenn er in den letzten beiden Spielzeiten häufig mit der Reservistenrolle. leben musste, war Schneider aufgrund seiner immer lächelnden Art beliebt bei den Zuschauern. Er wird im Sommer zu einem Club in den Süden Deutschlands wechseln, in Richtung seiner Lebensgefährtin. Welcher Verein das ist, wollte er noch nicht verraten, sondern erst einmal das Kapitel Bernburg beenden. Und: "Es war trotz Niederlage ein schöner Schlusspunkt."

SVA: Folchert, Link; Riegler, Marschall, Kraft (6), Friedrich (5), Ackermann (1), Schneider (5), Heyer (3), Schulze, Richter (5)

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