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10.11.2017

Kleiner Einpeitscher

VON TOBIAS GROSSE

Bernburg/MZ - Als Nico Richter am Donnerstagnachmittag aus erster Hand erfährt, wie er einen Tag später in der Zeitung zu sehen sein wird - mit einer Trommel in der Hand, weit ausholend und einem bis zum Anschlag aufgerissenen Mund - kann er sich ein selbstironisches Lachen nicht verkneifen. „Na ja“, sagt der 20 Jahre junge Rechtsaußen des SV Anhalt Bernburg, „das zeigt denke ich, dass ich mich über Siege sehr freuen kann.“ Vielleicht ist es aber nicht nur das, was das nebenan stehende Bild zeigt. „Ich glaube schon“, sagt Nico Richter, „dass mich so eine Szene generell ganz gut beschreibt.“

Richter ist erst seit gut vier Monaten beim Handball-Drittligisten aus der Saalestadt, doch er hat sich bereits in kurzer Zeit in die Herzen der Anhalt-Fans gespielt. Das liegt zum einen - nichts für ungut - an seinem Erscheinungsbild. Der nur gut 1,70 Meter große Linkshänder sieht mit seinen wuscheligen Haaren einfach so aus, als könnte er keiner Fliege etwas zuleide tun. Eigentlich scheint er gar nicht so richtig in die raue Welt des Handballs zu passen, in der nicht selten zwei Meter große und zwei Zentner schwere Kolosse aufeinanderprallen.

Doch steht Nico Richter dann auf dem Spielfeld, sieht das Ganze anders aus. Dann zählt er auf seiner Position zum Besten, was die 3. Liga Ost zu bieten hat. Der 20-Jährige hat ein unheimlich hohes Spielverständnis, ist daher ein exzellenter Konterspieler und mit bisher 48 Toren in elf Spielen einer der besten Torschützen des SV Anhalt.

Doch er hat noch etwas anderes. Etwas, was man nicht lernen kann. Nico Richter ist emotional. Kein anderer Sport lebt wohl so sehr von der Emotionalität - auf und abseits des Spielfeldes - wie Handball. „Emotionen sind wichtiger Teil des Sports“, sagt auch Richter. Und: „Sie sind auch ein wichtiger Teil meines Spiels. Man muss das Spiel leben.“

Nun hat der Zugang von den SC Magdeburg Youngsters aber nicht gerade die beste Position, um Emotionen im direkten Zweikampf aufzubauen. Auf Außen ist er davon meist verschont. Wie pusht man sich dann? „Ich kann auch super Emotionen aufbauen, wenn Mitspieler Zweikämpfe gewinnen“, so Richter.

Und meist ist es so, dass, wenn die Mitspieler hinten einen Zweikampf gewonnen oder die Torhüter einen Ball gehalten haben, es dann schnell nach vorne geht. Ein beliebtes Ziel: Nico Richter.

Im letzten Heimspiel des SVA vor zwei Wochen gegen Bruchköbel war Richter es, der mit vier, fünf Kontertoren in wichtigen Situation erst die Mannschaft und dann auch die Bruno-Hinz-Halle wachgeküsst hat. Am Ende gab es einen 25:23-Heimsieg.

Was der kleine Einpeitscher in solchen Momenten denkt, wenn er aus dem Gegenstoß alleine auf den gegnerischen Torhüter zuläuft? „Am besten ist es, wenn ich gar nicht nachdenke“, gesteht Nico Richter. Quasi: nicht denken, machen. Und sich - wie passend - einfach von den Emotionen leiten lassen.

Am Sonnabend hat der SVA mit EintrachtHier könnt ihr Eurosport kostenlos testen! Baunatal ein Team zu Gast, das bisher den eigenen Erwartungen hinterherläuft. Die Hessen liegen auf dem ersten Abstiegsplatz. Wie Nico Richter an das Spiel heran geht? „Voll rein und alles geben.“ Ganz klar. Um dann wieder die Trommel in die Hand nehmen zu können.

Anwurf in der Bruno-Hinz-Halle ist am Sonnabend um 17 Uhr.
 

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