Impressum | Kontakt
05.07.2018

Mühevolle Kleinarbeit

VON CARSTEN ROLOFF

Claus Luther möchte dafür sorgen, dass talentierte Handballer aus dem eigenen Nachwuchs eines Tages wieder den Sprung an die Sportschulen schaffen. (FOTO/MZ: Engelbert Pülicher)

BERNBURG/MZ - Mehr als ein Jahrzehnt lag sie fast brach, die Nachwuchsarbeit beim SV Anhalt Bernburg. In dessen Aushängeschild, der ersten Männermannschaft in der dritten Bundesliga, steht kein einziger Spieler im Kader, der in Bernburg seine Wurzeln hat. Die letzten Mohikaner waren Michael Krause und Toni Pajung, die ihre Laufbahn jedoch längst beendet haben. Ein ehemaliger Bornburger Zweitliga-Handballer möchte nun dafür sorgen, dass talentierte Spieler aus dem eigenen Nachwuchs eines Tages wieder den Sprung an die Sportschulen nach Magdeburg oder Halle schaffen oder in der dritten Liga für den SV Anhalt auflaufen.

Die Rede ist von Claus Luther, der einen großen Teil seines Lebens der Sportart Handball widmet und seit Januar 2018 als Nachwuchs-Koordinator beim Drittligisten tätig ist. Der Kreisläufer wurde am 1. April 1982 in Staßfurt geboren und ging dort bis 1996 zur Schule, ehe der einstige Magdeburger Weltklasse-Kreisläufer Ingolf Wiegert das Talent entdeckte und Claus Luther zum SC Mägdeburg holte. "Ich durfte bei der Arbeitsgemeinschaft an meiner Staßfurter Schule mitmachen und habe mir dadurch bis zur zweiten Klasse jeden Freitag den lästigen Mittagsschlaf erspart", berichtete Claus Luther von den Anfängen seiner Laufbahn.

In der Jugendabteilung des SC Magdeburg spielte er an der Seite des heutigen Bundesliga-Trainers Bennet Wiegert, der späteren Erstliga-Akteure Christian Schöne, Christian Sprenger sowie Robert Lux und des langjährigen Bernburger Regisseurs Martin Wartmann. 1998 und 2001 gehörte er zum Team des SCM, das den Deutschen Nachwuchsmeistertitel in die EIbestadt holte. Der Gewinn des Schüler-Weltmeistertitels im Jahr 2000 in Frankreich war ein weiterer Höhepunkt. Insgesamt kam der Kreisläufer auf 34 internationale Einsätze für die DHB-Auswahl der Jugend und der Junioren.

2002 wechselte der Auswahlspieler zum SV Anhalt Bernburg und blieb dem Zweitligisten vier Jahre treu. Dort hatte er in doppelter Hinsicht sein großes Glück gefunden. Der Staßfurter lernte seine Stephanie kennen, die er am 15. Juni 2012 in Alsleben heiratete. "Außerdem hatte ich vier tolle Jahre in Bernburg, durfte mit tollen Typen zusammenspielen und wäre auch unter der  Regie von Lothar Doering beim SV Anhalt geblieben", sagte der ehemalige Zweitliga-Profi, der anschließend von 2006 bis 2010 für den HC Erlangen auflief.

In Bayern erlernte er den Beruf des Speditionskaufmanns, arbeitete sechseinhalb Jahre als Gruppenleiter beim Großhandel. Ende 2010 ließ er wegen der Familie seine Handball-Laufbahn ausklingen und kehrte wieder nach Sachsen-Anhalt zurück. "Wir haben in Erlangen für unsere Tochter Elina keinen Krippenplatz bekommen", erzählte der stolze Vater, dessen Tochter ihm auch den entscheidenden Impuls gab, sich für die Nachwuchsarbeit zu engagieren. Elina gehört zum E-Jugend-Team beim SV Anhalt.
"Es war ein schleichender Prozess.

Im November 2017 Jahr bin ich dann richtig eingestiegen", sagte Claus Luther, der seit einem Jahr verstärkt Kontakt zu den Grundschulen in der Region sucht und dort Handball-Projekte durchführt. Ab August 2018 wird er in der Goethe-Schule eine Arbeitsgemeinschaft leiten. Die verstärkte Arbeit mit den Kindern hat auch zu einer Veränderung im Berufsleben geführt. Seit dem 1. Juli arbeitet Claus Luther als Erzieher in Bernburg und benötigt für den Erwerb der C- Lizenz als Trainer nur noch eine Lehrprobe. Doch ehe wieder Bernburger Eigengewächse ganz oben ankommen, sind vor allem Geduld und kontinuierliche Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen erforderlich.

 

<< Zurück