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11.05.2017

Negative Bilanz

VON TOBlAS GROSSE

Der SV Anhalt hat die Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz beendet. (FOTO/MZ/Archiv: Franziska Gora)

BERNBURG/MZ - Die Hinrunde ist schon lange vorbei, die Rückrunde seit vergangenern Wochenende ebenfalls. Der SV Anhalt Bernburg blickt auf ereignisreiche zehn Monate Drittliga-Handball zurück. Die Mannschaft wird nun noch bis in den Juni hinein abtrainieren, und am übernächsten Wochenende zur Abschlussfahrt nach Mallorca aufbrechen. Zeit, ein Saison-Fazit zu ziehen.

Der IST-Zustand
Der SV Anhalt hat die Saison da beendet, wo er sie beenden wollte: Auf einem einstelligen Tabellenplatz. Doch das Team hat erstmals seit der Spielzeit 2011/12 am Ende der Serie eine negative Bilanz (27:33). Seit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga im Jahr 2010 ist es sogar die schlechteste Bilanz. Wie konnte es dazu kommen?

Die Hinrunde
Vor der Spielzeit musste der SVA den vielleicht größten Umbruch der jüngeren Vergangenheit hinnehmen. Trainer Christian Pöhler verließ nach vier fast durchgängig erfolgreichen Jahren den Verein in Richtung des ambitionierten HC Elbflorenz Dresden, Vereinsidole wie Toni Pajung, Enrico Lampe und Torhüter Artur Gawlik hörten mit dem Handball auf oder traten kürzer. Dennoch hat die Mannschaft unter ihrem neuen aus Kühnau gekommenen Trainer Armands Uscins, eine gute bis sehr gute Hinserie gespielt. Uscins war akribisch, das Ergebnis: 17:13 Punkte und Rang sechs.

Die Rückrunde
In der zweiten Hälfte der Saison war dann von diesem funktionierenden Team nicht mehr sehr viel zu sehen. Vieles beim SV Anhalt stimmte nicht, der in einer so hohen Liga zuvor noch unerfahrene Trainer Uscins traf in manchen Partien falsche Entscheidungen, aber auch Leistungsträger hatten einige gebrauchte Tage. Alles in Allem war die Rückrunde für den SVA ziemlich verkorkst. Denn zu dem Leistungsloch kam auch der studiumsbedingte Abgang des für die Abwehr so wichtigen Nicholas Stiebler und einiges Verletzungspech. Erst Mitte der Rückrunde und mit Siegen gegen die Absteiger Beckdorf und Werder, konnte sich Bernburg von seinen eigenen kleinen Sorgen entledigen.

Die größte Überraschung (p)
Vor der Saison hatte der Sportliche Leiter Enrico Nefe den Plan, dass sich der heute 21 Jahre alte Lucas Marschall und der 21-jährige Lucas Alter auf Linksaußen gegenseitig zu guten Leistungen pushen. Dieser Plan ging so allerdings nicht ganz auf. Denn Marschall war so konstant gut, dass man den Vertrag mit Alter zu Beginn der Rückrunde sogar auflöste, da er kaum Spielanteile besaß. Lucas Marschall, der vom Oberliga-Absteiger Calbe kam, hat sich zur positiven Überraschung der Saison entwickelt.

Die größte Überraschung (n)
Die gleiche Kategorie, aber das kleine "n" dahinter verrät, dass es sich um die "negative" Überraschung handelt. Als Enrico Nefe Dusan Marie als Nachfolger für den mit Trainer Pöhler zum HC Elbflorenz gewechselten Rechtsaußen Robin Hoffmann vorstellte, war er überzeugt von dessen Qualitäten: "Im Angriff haben wir  uns mit ihm verstärkt. Und auch die Lücke in der Abwehr können wir schließen." Mittlerweile steht fest, dass der Serbe den Club nach nur einem Jahr wieder verlassen wird. Es hat einfach nie gepasst zwischen dem SVA und dem aufbrausenden Marie. Beispielhaft dafür ist ein Satz von Trainer Useins, der im Laufe der Rückrunde sogar Rückraumspieler Clemens Wetzel zur Nummer eins auf der rechten Außenbahn gemacht hat: "Dusan macht zehn Aktionen, davon sind fünf gut, fünf schlecht. Clemens hat seine drei Aktionen und macht sie gut."

Das, was kommt
Dem SV Anhalt Bernburg steht im Sommer noch einmal ein größerer Umbruch bevor. Fünf Spieler werden den Verein verlassen, mit Andreas Steinbrink auch eine Säule der letzten Jahre. Vier Neuzugänge stehen schon fest, einer soll noch folgen. Mit Hendrik Tuschy kommt außerdem ein zweiter Trainer hinzu. Das Team wird in der nächsten Saison noch jünger, aber auch noch einmal talentierter sein. Es gilt, daraus etwas zu machen und formen.

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