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14.12.2017

Problem im Kasten

VON TOBIAS GROSSE

BERNBURG/MZ - Am Mittwochabend fand beim Handball-Drittligisten SV Anhalt Bernburg die teaminterne Weihnachtsfeier statt. Und es ist davon auszugehen, dass die Stimmung an einem gewissen Teil des Abends nicht gerade erhellend war. Dann nämlich, als es um die seit Samstagabend zurückliegende Hinrunde in der 3. Liga Ost ging.

Der SVA ist im Sommer mit großen Ambitionen gestartet. Der einstellige neunte Tabellenplatz der Vorsaison im Norden wurde nach dem Staffelwechsel in den Osten zur "Pflicht" deklariert und Enrico Nefe, der Sportliche Leiter des Drittligisten, sagte voller Zuversicht: "Ich sehe uns besser als in der vergangeneu Saison." Nun ist Winterpause, die Hälfte der Spielzeit geschafft. Und die Realität heißt: Rang 13, nur zwei Punkte Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz.

Klar, es gibt Gründe dafür, dass es nicht läuft. Die ganze Unruhe rund um den plötzlichen Rücktritt von Trainer Hendrik Tuschy, nach dem Nefe an der Seite von Armands Uscins in die Bresche sprang. Die Verletzungsmisere zum Ende der Hinrunde, bei der zwischenzeitlich rekordverdächtige fünf Akteure auf einmal mit Bänderverletzungen am Knöchel zu kämpfen hatten. Doch Fakt ist, dass oftmals auch einfach die Leistung des SVA nicht gestimmt hat. "Jetzt muss Tacheles gesprochen werden", stellt Enrico Nefe daher klar.

Der Interimstrainer sparte bereits nach der 25:32-Auswärtsniederlage im so wichtigen letzten Hinrundenspiel beim HSC Coburg II am vergangenon Wochenende nicht mit Kritik, sprach von einem "blutleeren Auftritt" und davon, dass das ganze Spiel des SVA "eine einzige Schwächephase" war. Neu ist jedoch, dass Nefe öffentlich Namen nennt.

Wenn man sich die Zahlen ansieht, weiß man schnell, wo das Hauptproblem Bernburgs liegt. Mit 425 Gegentreffern hat der SV Anhalt die drittschlechteste Abwehr der Liga, nur die SC Magdeburg Youngsters (458) und Eintracht Baunatal (427) kassieren ,mehr Tore. "Das muss uns Kopfzerbrechen bereiten", findet Nefe. Und: "Uns hat in den letzten Jahren immer ausgezeichnet, starke Torhüter zu haben." Aktuell ist das nicht so! 

Stammtorwart Max Folchert zählt zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Das hat er vor allem in der Vorsaison eindruckvoll gezeigt, und nicht umsonst hätte er im Sommer in die 2. Bundesliga wechseln können. Nur: Er hängt nach einem guten Saisonstart seit Wochen in einem Loch.

Der seit dem Sommer neue Herausforderer, Florian Link, hat zwar hier und da gute Ansätze gezeigt, mehr aber noch nicht. "An die Leistungen, die er Magdeburg gebracht hat, kommt Linki noch nicht ran", sagt Enrico Nefe. Das Resultat daraus: "Max und Linki haben in zwei Dritteln der Spiele zusammen keine zehn Bälle gehalten", so Nefe, "so kannst du in dieser Liga kein Spiel gewinnen!"

Der Anfangseuphorie ist beim SV Anhalt dem Frust gewichen. Und dann ist daja auch noch die Suche nach einem Nachfolger für Trainer Tuschy. Denn Nefe würde das zusätzliche Amt im Winter gerne wieder ablegen. Stand jetzt gibt es einen konkreten Kandidaten, die ersten Gespräche sind gelaufen, die nächsten Tage werden entscheiden. Es bleibt in der vierwöchigen Winterpause spannend in Bernburg.

 

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