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22.10.2018

Richters hundert Prozent

VON DETLEF LIEDMANN

BERNBURG/MZ - Am Ende atmete nicht nur Trainer Martin Ostermann durch. Auch Carsta Weikert holte am Sonnabend tief Luft in der Bernburger Bruno- Hinz-Sporthalle. In einem wichtigen Duell der Dritten Liga Nord hatten die Handballer von Anhalt Bernburg gerade das 35:32 gegen das Juniorteam der SG Flensburg- Handewitt perfekt gemacht.

Carsta Weikert gehört zu den ganz treuen Anhängern der Bernburger. Von Mitte der 1980er Jahre an war sie zwölf Jahre Physiotherapeutin im Verein. "Ich habe alle Höhen und Tiefen miterlebt", sagte sie. Am Sonnabend erlebte sie, wie Anhalt zunächst gar nicht in die Gänge kam. Erst nach 5:47 Minuten gelang Mare Godon der erste Bernburger Treffer. Da hatten die Gäste schon zweimal eingenetzt gehabt. Die Flensburger spielten in der Abwehr genau so, wie Trainer Ostermann vorausgesagt hatte - offensiv und aggressiv. Vor allem der wendige Baijens machte den Bernburgern das Leben schwer, er war mit zehn Treffern Flensburgs bester Werfer. Auf der Gegenseite traf auch Nico Richter zehnmal. Darunter waren sieben verwandelte Strafwürfe. Hier hatte Richter eine Quote von hundert Prozent.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Der lag besonders über der Anfangsphase. "Geht das schon wieder los?", fragte Carsta Weikert mehr sich selbst, nachdem die Bernburger den Flensburger Torwart Jepsen fünf Minuten lang berühmt geworfen hatten. Die einzigen Bernburger, welche bis dahin hellwach waren, waren die Trommler aus dem schwarz-gelben Fanblock. Unermüdlich trieben sie ihre Mannen nach vorn. Auch wenn ihnen nach dem 1:4 in der achten Minute eigentlich Angst und Bange hätte werden müssen. Mithin schaffte Richter per Siebenmeter nach zwölf Minute erstmals den Ausgleich. Von da ab lief das Bernburger Spiel besser. In die Pause ging es mit einem 17:14 für Anhalt.

Im zweiten Abschnitt hielten die Gastgeber acht Minuten lang die Führung, ehe sie das 21:21 kassierten. Dann liefen sie zwölf Minuten einem Rückstand hinterher. Einige Spieler schien der Mut zu verlassen, andere das Glück. Auch die Bank war nicht mehr ganz so risikofreudig wie im ersten Abschnitt. Da wurde Keeper Link bei Zeitstrafen durch den sechsten Feldspieler ersetzt und es war immer gut gegangen. Doch die Flensburger zeigten sich später im Konterverhalten ausgebufft. "Wir machen es unserem Gegner oft zu einfach", konstatierte Carsta Weikert, die per Handy einen Bekannten auf dem Laufenden hielt. Sie sagte immer "wir", so eng ist sie mit dem Bernburger Handball verbunden. Besonders die zweiten Bälle wurden eine Beute der Gäste, nachdem zuvor Keeper Florian Link oder die Abwehr geklärt hatten.

Die letzten zehn Spielminuten gab es auf den Rängen kaum noch ein Halten. Da wurde getrommelt, geschrien und gepfiffen. Bernburg riss das Ruder in einer 6:4-Überzahlsituation und mit fünf Treffern am Stück wieder herum. Vor allem Radek Sliwka traute sich jetzt etwas zu. Den letzten Treffer des Spiels, das passte zu seinem Tagesauftritt, erzielte Nico Richter in der Schlusssekunde.

Bernburg: Link, Mohs - Cieszynski (5), Kraft (1), Marschall (2), Heyer, Friedrich (3), Ackermann (4), Schulze, Sliwka (6), Godon (4), Grafenhorst, Berends, Richter (10/7)

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