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02.05.2017

"Es war eine geile Zeit"

Andreas Steinbrink verabschiedet sich nach sieben Jahren

BERNBURG/MZ/TG - Nein, Andreas Steinbrink konnte nicht alles zurückhalten. Und das konnte ihm auch keiner übel nehmen, so kurz vor seinen letzten Momenten als Spieler des SV Anhalt Bernburg in der Bruno-Hinz-Halle. Wenn man Steinbrink am Samstagnachmittag, kurz bevor die Partie zwischen dem SVA und der SG Flensburg-Handewitt II begann, tief in die Augen gesehen hatte, sah man etwas feuchte Augen. Nach sieben Jahren im Dienst des SV Anhalt Bernburg wurde der 34 Jahre alte Routinier vor dem letzten Heimspiel dieser Drittliga-Saison - das am Ende mit 21:26 verloren ging - verabschiedet. "Das war mitreißend", gab er da- nach zu, "das waren bewegende Momente."

Rein vom Gefühl her hat sich für Andreas Steinbrink am Samstagnachmittag ein großes Kapitel seines Lebens geschlossen. Klar steht der letzte Spieltag dieser Saison, und somit für Steinbrink eine weitere Partie (in Potsdam) im Anhalt-Trikot, noch aus. Doch das letzte Heimspiel- und der Abschied von der Halle, die sieben Jahre lang seine handballerische Heimat war, und von den Fans, die ihm sieben Jahre lang so viel Zuneigung entgegenbrachten, ist dann doch etwas Expliziteres.

Steinbrink ging nach dem Abpfiff etwas konsterniert durch die Halle. Er konnte das, was gerade ablief, noch nicht greifen. "Es ist schwer in Worte zu fassen", antwortete er auf die Frage, wie es in ,diesem Moment in ihm aussehen würde. Der Routinier hat in seinen sieben Jahren viel miterlebt in Bernburg. Was Steinbrink als erstes in den Sinn kam, waren die 14 Siege am Stück unter Trainer Christian Pöhler in der Spielzeit 2013/14. "Das war eine einmalige Geschichte", sagte er im Blick zurück, "das bleibt für immer." Doch er hat nicht nur positive Zeiten erlebt. Andreas Steinbrink hatte eigentlich für 2016 bereits sein Karriereende im Blick. Dann riss ihm in der Sommer-Vorbereitung 2015 das Kreuzband im linken Knie. "Das war eine Leidenszeit", erinnerte er sich. Als klar wurde, dass er die komplette Saison verpassen würde, begann er, sich Gedanken zu machen.

Steinbrink wollte sich nicht in Jeans und Hemd verabschieden, sondern im gelb-schwarzen Trikot. Also setzten er und der SV Anhalt sich zusammen und einigten sich darauf, dass der Abwehrchef noch eine Saison dranhängt. "Ich bin dem Verein dankbar, dass er mir damals die Chance gegeben hat, noch einmal zurückzukommen", sagte Steinbrink am Samstag. Jetzt jedoch, ein Jahr später, ist doch das Ende der Beziehung eingetreten.
 
Andreas Steinbrink hätte gerne noch ein Jahr gespielt. Er hat im Verlauf der Saison noch einmal Blut geleckt. Doch in den Planungen des SVA war schlicht und ergreifend kein Platz mehr für einen reinen Abwehrspezialisten, wie es Steinbrink ist. Der 34-Jährige bedauert es zwar, klar. Aber seinen Blick auf die sieben Jahre bei Anhalt Bernburg wird dieses Ende nicht beeinflussen. "Es war 'ne geile Zeit, mit typischen Aufs und Abs", sagte er.

Andreas Steinbrink wird seine Karriere jetzt noch in einer unteren Liga ausklingen lassen. Wo, steht bisher nicht fest. "Es laufen Gespräche", sagte er. Sicher ist, er kann vielen Teams mit seiner Erfahrung und Abwehrstärke helfen. "Er hat noch gute Jahre im Tank", glaubt auch Toni Pajung. Das Anhalt-Urgestein war am Sonnabend auch da. Pajung beendete vor einem Jahr seine Karriere und war beim letzten Heimspiel in einer ähnlichen Rolle wie Steinbrink jetzt. Sechs Jahre haben sie gemeinsam die Knochen hingehalten. .Blinki war ein Abwehrspieler alter Garde", so Pajung. "Wo er stand, da tat's weh. Diesen Ruf hat er sich verdient."

Steinbrink sei immer hart zu den Gegnern und zu sich selbst gewesen. Aber alles auf einem fairen Level. "Er hat immer die Gegner und das Spiel respektiert", so Toni Pajung, "und die Gegner hatten auch Respekt vor ihm." Kurzum: "Es tut mir leid, dass er geht", sagte Pajung. Und sprach damit vielen aus dem Herzen.
 

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