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01.04.2019

Start völlig verschlafen

VON DETLEF LIEDMANN

Bernburg/MZ - Gut 30 Sekunden waren noch zu spielen am Samstag in der Bernburger Bruno-Hinz-Sporthalle. Tim Ackermann winkte ab in Richtung Niklas Friedrich. „Bleib drin“, sollte das heißen. Denn das Handballspiel war sowieso verloren. Ob mit oder ohne Ackermann in den letzten 30 Sekunden. 23:29 verlor der Drittligist gegen den 1. VfL Potsdam. Und während die Gäste aus der brandenburgischen Landeshauptstadt „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ skandierten, hatten die ersten der 390 Zuschauer die Halle schon längst verlassen.

Fast sieben Minuten brauchten die Bernburger für ihren ersten Treffer, erzielt durch Radek Sliwka. Da hatten sie bereits 0:5 zurückgelegen und es musste einem Angst und Bange werden. Schon nach knapp fünf Minuten hatte Trainer Martin Ostermann das erste Mal die Grüne Karte für eine Auszeit auf den Zeitnehmertisch geworfen und Sekretärin Valeska Lange das Spiel mit einem Pfiff unterbrochen. Denn vorn war kein Durchkommen gegen die aggressive Potsdamer Abwehr um den bärenstarken Christian Schwarz. Und Anhalts Defensive bekam vor allem Matti Spengler zunächst gar nicht in den Griff.

„Wir waren am Anfang doch etwas überrascht von der offensiven Potsdamer Abwehr. Darauf konnten wir uns in der Vorbereitung nicht so einstellen, weil wir wegen der Ausfälle von Kilian Kraft und Steffen Coßbau selbst erst mal unsere Defensivvarianten im Training durchspielen mussten. Und weil wir vorn nicht zum Zug gekommen sind, haben wir uns gleich ein paar Treffer durch schnelle Gegenstöße eingefangen“, so Martin Ostermann.

Der Trainer schaffte es, seine Schützlinge zurück in die Spur zu bringen. Beim 7:7 durch Marc Godon in der 15. Minute hatten die Gastgeber erstmals den Gleichstand erzielt. Allerdings auch zum letzten Mal an diesem Samstag. „Es ist jetzt müßig, zu diskutieren, was gewesen wäre, wenn uns die Anfangsphase nicht missglückt wäre“, so Ostermann. Bis zur Pause (12:15) und auch ein gutes Stück danach (18:20, 43.) blieb sein Team in Schlagweite.
Doch dann waren einige Spieler zu übermotiviert. Die Angriffe wurden nicht ausgespielt. Und in Überzahl wurde zweimal das leere Tor nicht getroffen (Florian Link, Nico Richter), dann kam ein Ball nicht bei Lucas Marschall an.

„Irgendwie hatte in dieser Phase gefühlt jeder einen Fehlwurf“, so Ostermann. Er wisse auch noch nicht, was da in den Köpfen vorgegangen sei. „Vielleicht wollten einige zu viel“, sagte er. Dabei hatte er immer wieder lautstark gefordert, den Ball laufen zu lassen. Nur klappte das eben nur bedingt. Da waren die Potsdamer, unter deren Fans mit Rolando Urios ein Weltmeister von 2005 weilte, abgezockter. Urios’ Sohn spielt bei den Potsdamern auf der Kreisläuferposition.

Den hatten die Bernburger gut im Griff und auch die anderen Kreisspieler, die sonst immer für mindestens zehn Treffer gut sind. Dafür trafen Yannik Münchberger und Matti Spengler allein 14 Mal aus dem Rückraum, vor allem mit Schlagwürfen. Und die Potsdamer spielten ihre Angriffe konsequent aus. Auch dann noch, wenn die Schiedsrichter Alexander Kieslich und Morten Renner Zeitspiel anzeigten. Diese Kaltschnäuzigkeit ging Bernburg ab.

„Am Sonntag in Schwerin sind wir Außenseiter. Ich glaube, diese Rolle liegt uns mehr. Mal sehen, was da geht“, so Ostermann. Und: „Wir haben bezüglich des Klassenerhalts alles selbst in der Hand. Das ist mir lieber, als auf Schützenhilfe anderer angewiesen zu sein.“ Deshalb sei für ihn trotz der Niederlage immer noch alles im grünen Bereich vor den letzten vier Spielen dieser Saison.

SVA: Mohs, Link - Cieszynski (5), Marschall (1), Friedrich, Ackermann (3), Schulze, Sliwka (2), Grafenhorst, Richter (5/1), Godon (7).

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