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31.07.2017

Tapferes Schneiderlein

VON TOBlAS GROSSE

Hat im Moment trotz harter Vorbereitung gut lachen: Patrick Schneider. (FOTO/MZ: Oliver Hartloff)

BERNBURG/MZ - Als Patrick Schneider an einem lauen Mittwochnachmittag im März diesen Jahres im Cafe Latsch am Bernburger Karlsplatz saß und an seinem Latte Macchiato nippte, war er nicht so richtig glücklich. Der Rückraumspieler des SV.Anhalt Bernburg war in einer schweren sportlichen' Situation. Schneider hatte nur wenig gespielt. Es fielen Sätze wie "Man versteht die Welt nicht mehr" oder "So viele Tiefen hatte ich noch nie". Und der wenige Wochen zuvor 25 gewordene machte sich ganz offen Gedanken über seine Zukunft.

Als Patrick Schneider am vergangenen Samstagabend nach einem 35:27-Testspielerfolg gegen den MTV Vorsfelde in der Bruno-Hinz-Halle in Bernburg sitzt, ist das nicht mit dem Bild von vor gut vier Monaten zu vergleichen. Der Ungar mit deutschen Wurzeln lacht viel. Und das Wort, was am häufigsten fällt, ist "positiv". "Ich denke positiv." "Bisher ist alles positiv."

Schneiders Situation in Bernburg hat sich geändert. Der 25-Jährige bestreitet gerade eine Top-Vorbereitung auf die neue Saison in der 3. Liga. "Es ist ein kleiner Neuanfang", sagt er. Patrick Schneider hat sich gegen Ende der abgelaufenen Serie lange und vor allem viele Gedanken gemacht, ob seine sportliche Zukunft in der Saalestadt liegen würde. Sein Zweijahresvertrag lief in diesem Sommer aus. Schneider entschied sich dazu, für ein Jahr zu verlängern.

Es scheint, als wäre es die richtige Entscheidung für beide Seiten gewesen. Schneider zeigt sich aktuell in Top-Verfassung. Gegen Vorsfelde hat er 50 Minuten lang nicht nur in der Abwehr geackert, sondern auch Tore gemacht. Und das, obwohl der SVA vor der Partie drei Trainingseinheiten absolviert hat. Schneider ist körperlich in Top-Form. Schuld ist der Sommer in Ungarn.

Der Rückraummann war während der Sommerpause in seiner Heimat Tarian. Eine kleine, von deutschen Einwanderern geprägte Gemeinde, 60 Kilometer nordwestlich von Budapest. Schneider hat da nicht nur Urlaub gemacht, er hat sich auch auf die Vorbereitung vorbereitet. Jeden einzelnen Tag mit seinem Cousin. Gewichte stemmen, Läufe, alles. Er wollte sich einen Vorteil herausarbeiten. "Ich wollte nicht zurückkommen, und nach 400 Meter Laufen abkotzen", meint er völlig unverblümt. Es hat geklappt. "Ich fühle mich körperlich keinem unterlegen", so Patrick Schneider, bevor er genügsam lächelt: "Aber überlegen schon."

Schneiders Vorarbeit wird honoriert. Er bekommt in der Vorbereitung viele Spielanteile vom Trainer- Duo Hendrik Tuschy / Armands Uscins. Das Tuschy dazu gestoßen ist, ist für den Ungar ein Vorteil. "Wenn ein neuer Trainer kommt, hat der erst mal ein weißes Blatt", sagt Patrick Schneider. "Jeder Spieler ist dann erst mal ein neuer Spieler." Und für jeden gilt es, sich neu zu beweisen. Zudem profitiert Schneider auch davon, dass mit Marcel Popa (ThSV Eisenach) ein Rückraumspieler den Verein im Sommer verlassen hat, und mit Mare Godon ein weiterer nach einem Armbruch aktuell noch nicht einsatzfähig ist.

Wenn die Saison in der 3. Liga Ost Ende August startet, wird Anhalt vermutlich wieder vollzählig sein. Ob Patrick Schneider dann immer noch so viele Spielanteile hat? "Ich hoffe es", sagt er und beginnt zu lachen: "Im Notfall bin ich durch die letzte Saisonja auch gut im Wegstecken." Sozusagen ist er das - Achtung, Wortwitz, - tapfere Schneiderlein des SV Anhalt Bernburg.

Aber eigentlich will der Ungar-Deutsche auch gar nicht mehr zurückschauen. "Die letzte Saison war einfach nichts", betont er am vergangenen Samstagabend noch einmal so, dass jedem klar wird, dass sie vorbei ist. Und das jetzt eine neue Zeit begonnen hat. "Momentan freue ich mich darüber, dass ich viele Spielanteile habe", sagt Patrick Schneider. Und na klar, was schiebt er hinterher: "Ich denke weiter positiv."

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