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06.10.2017

Vertraut unvertraut

VON TOBIAS GROSSE

Für Niklas Friedrich wird das Spiel gegen Magdeburg II das vielleicht aufregendste Spiel des Jahres. (FOTO/MZ: Hartmut Bösener)

BERNBURG/MZ - Manchmal, wenn etwas ganz Besonderes ansteht, fragt man sich, wie das wohl sein wird. Der 18. Geburtstag zum Beispiel. Oder der erste Tag bei einer neuen Arbeitsstelle. An diesem Freitagabend spielt der SV Anhalt Bernburg beim SC Magdeburg II. Handball 3. Liga. Das einzige Derby, für beide Mannschaften. Aber noch viel mehr.

Wenn Bernburg in Magdeburg spielt, ist das für viele SVA-Akteure auch eine Reise zu ihren Wurzeln. Mehr als die Hälfte des Kaders wurde in Mägdeburg ausgebildet und hat dort das Handball-Abc erlernt. Vier von ihnen sogar noch bis vor wenigen Monaten: Nico Richter, Florian Link, Julian Schulze und Niklas Friedrich sind erst in diesem Sommer von den Youngsters zu Anhalt gewechselt. Jetzt kehren sie das erste Mal zurück. Wie das wohl sein wird?
 
Nico Richter, der kleine 20 Jahre alte Rechtsaußen überlegt. "Ungewohnt", sagt er dann, "das beschreibt es glaube ich am besten." Richter hat zwölf Jahre beim SC Magdeburg verbracht, er kennt jeden kleinen Winkel in der altehrwürdigen Hermann-Gieseler-Halle. "Eigentlich ist einem die Halle ja vertraut", sagt er, "aber es wird doch etwas anderes."

Viele kleine und auf den ersten Blick unwesentliche Sachen werden im Vergleich zu ihrem letzten Spiel in - und damals noch für - Magdeburg anders sein. Die Kabine, der generelle Ablauf vor der Partie oder, dass der Großteil der Zuschauer nicht hinter ihnen stehen wird. Man könnte es als vertraut unvertraut beschreiben. "Es wird ein komisches Gefühl", gibt Niklas Friedrich zu.

Der Emotionsbolzen hat "richtig Bock" auf das Spiel gegen seine alte Heimat. Acht Jahre war er beim SCM. "Man wird damit immer etwas verbinden." Nur weiß Friedrich auch, dass in so einem Spiel schnell der Pegel umschlagen kann. "Es wird auf jeden Fall ein sehr schmaler Grat zwischen Motivation und überpacen", sagt der 20-Jährige. Gerade für ihn, der in der Deckung des SV Anhalt Bernburg eine wichtige Rolle einnehmen soll. "Man muss sich vor dem Spiel auf das fokussieren, womit man der Mannschaft am besten helfen kann", erklärt Niklas Friedrich.

Im Fall von Florian Link wäre das das Bälle abwehren. Der 20 Jahre alte Torhüter wurde 15 lange Jahre in Magdeburg ausgebildet. Und damit am längsten vom im Sommer nach Bernburg gekommenen Quartett. Es könnte sein Vorteil werden. "Man kennt die Leute ja, das macht es vielleicht leichter, sich vorzubereiten", sagt er. Dass beim SVA zum Wochenbeginn eine Bombe geplatzt und Trainer Hendrik Tuschy zurückgetreten ist, "nimmt auf uns keinen Einfluss", versichert Link.

Julian Schulze ist mit seinen 19 Jahren der Jüngste der Zugänge. Er blickt dem Derby "mit gemischten Gefühlen" entgegen. "Auf der einen Seite wird es emotional, aber ich habe auch viel Lust darauf, den Leuten in Magdeburg auch zu zeigen, dass ich mit dem Wechsel nach Bernburg den richtigen Schritt gemacht habe", sagt Schulze. Und sicher ist: "So ein Spiel wird eine ganz neue Erfahrung für uns."
 

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