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10.02.2018

Vom Jungen zum Mann

VON TOBIAS GROSSE

Dreieinhalb Jahre war die Bruno-Hinz-Halle die handballerische Heimat von Gabor Pulay. (FOTO/MZ: TOBIAS GROSSE)

BERNBURG/MZ - Ein paar Mal, wenn eine Frage beantwortet, die nächste allerdings noch nicht gestellt ist, nimmt Gabor Pulay einen Schluck von seinem Kaffee und lässt seinen Blick schweifen. Durch die leere Bruno-Hinz-Halle. In diesen frühen Abendstunden herrscht hier eine gespenstische Ruhe. Sämtliche Haupttribünen sind eingefahren, und bis auf den Hallenwart ist knapp eine Stunde vor dem nächsten Training des Drittligisten SV Anhalt Bernburg noch keine Menschenseele hier. Pulay, der ungarische Handball-Profi, schaut sich dennoch noch einmal genau um, als wäre da etwas. Vielleicht ist es das Gefühl, ein Stück Heimat nicht vergessen zu wollen?

Pulay und Anhalt Bernburg. Das ist ein Buch, dessen letztes Kapitel gerade nach dreieinhalb Jahren geschrieben wird. Nach dem Auswärtsspiel an diesem Sonntag beim HSV Bad Blankenburg wird der 24-Jährige den SVA in Richtung HC Elbflorenz Dresden, Ex-Anhalt-Trainer Christian Pöhler und 2. Bundesliga verlassen. Im Sommer 2014 war Pulay von LVB Leipzig nach Bernburg gekommen. Nun sitzt er in der Bruno-Hinz-Halle, um über seinen Abschied zu sprechen.

Pulay wirkt aufgeregt, wenige Tage, nachdem sein Wechsel öffentlich wurde. Wegen dem, was er hinter sich lässt. Und dem, was kommt. „Ich bin traurig und auch froh", sagt er. In Dresden erwartet ihn Voll-Profitum. Der ambitionierte Aufsteiger trainiert in der Regel achtrnal wöchentlich - in dieser Woche vor dem Rückrundenstart am Samstagabend in Wilhelmshaven waren es sogar zehn Einheiten.

Die dreieinhalb Jahre in Bernburg haben Gabor Pulay geprägt, na klar. Er kam damals als 21-Jähriger. Als schüchterner Junge, der noch nicht so richtig Deutsch gesprochen hat. Und geht jetzt als Mann. „Ich bin hier erwachsen geworden", sagt Pulay. Deswegen war es Zeit, weiterzuziehen.

Der 24 Jahre alte Profi aus Ungarn macht erst gar keinen Hehl daraus, dass er sehr bewusst jetzt - schon wechseln wollte. Und nicht ‚ erst in der kommenden Sommerpause, was schon feststand. „Wir haben viel darüber gesprochen", sagt Pulay. Anfang des Jahres hatte Dresden sein Interesse an einen sofortigen Wechsel hinterlegt. Pulay wollte die Chance nutzen. Und Enrico Nefe, der Sportverantwortliche des SVA, hat dem vorzeitigen Abschied nach Rücksprache mit dem neuen Trainer Martin Ostermann und der Mannschaft gegen eine fünfstellige Ablöse letztlich zugestimmt.

Der Weg, wie ihn der SV Anhalt Bernburg seit geraumer Zeit und auch mit Gabor Pulay gegangen ist, ist der Weg der Zukunft. Junge Talente finden, sie entwickeln und - bestenfalls natürlich mit finanziellem Gewinn - an bessere Clubs abgeben. „Wir sind ein Ausbildungsverein", sagt Nefe.

Pulay hat mit seinem Wechsel nach Dresden sein Ziel erreicht, dass er sich gesetzt hat, als er vor knapp fünf Jahren nach Deutschland gekommen ist: Er hat es in die 2. Bundesliga geschafft und in Dresden einen Vertrag über zweieinhalb Jahre bis Sommer 2020 unterschrieben. „Ich hoffe, dass ich in einem Monat richtig in der Mannschaft bin", sagt er.
Pulays Vorteil ist, dass Arseniy Buschmann und Robin Hoffmann, zwei ehemalige Mitspieler vom SV Anhalt Bernburg, bereits in Dresden sind. Und allen voran mit Christian Pöhler natürlich sein Ex-Coach. Er war zwei Jahre sein Förderer und Forderer. Und „ein wichtiger Grund für meinen Wechsel", gibt Gabor Pulay zu.

Der Abschied vom SVA fällt dem ungarischen Handballprofi trotz allen Vorzügen, die Dresden ihm bringt, schwer - das ist klar. Er hat in seinen dreieinhalb Jahren an der Saale sportlich viel erlebt, vor allem aber viele neue Freunde gefunden.

Pulay ist ein,harmoniebedürftiger Mensch, das bemerkt man, wenn man mit ihm spricht. Deswegen ist das, was er am meisten vermissen wird, auch nicht sportlicher Natur: „Die Stimmung in der Mannschaft, das Publikum, und mit den Fans nach den Spielen in der Bärenhöhle zu feiern", sagt er, „so familiär wie hier, geht an nicht vielen Orten zu."

Bis Ende Februar wohnt Pulay jetzt noch in Bernburg, dann will er eine Wohnung in Dresden gefunden haben. Bis dahin pendelt er zum Training. Und wer weiß, vielleicht ist ja auch noch Zeit, für einen Besuch in der Hinz-Halle.
 

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