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03.09.2018

Zwischen Genie und Wahnsinn

VON TOBIAS GROSSE

BERNBURG/MZ - Tim Ackermann waltete am vergangeneu Freitagabend seines neuen Amtes. Seit einigen Wochen ist der 24 Jahre alte Kreisläufer von Anhalt Bernburg neu im Mannschaftsrat des Handball-Drittligisten, und im Spiel gegen die SC Magdeburg Youngsters wurde er Mitte der zweiten Halbzeit gegenüber eines Mitspielers laut. "Marc", rief er mit scharfer Stimme auf der Bank sitzend, "jetzt schalt mal wieder deinen Kopf ein." Der gemeinte Mare Godon nahm es sich zu Herzen und traf wenig später zum 20:19.

Godon war einer der auffälligsten Spieler beim 29:28-Heimsieg des SVA gegen das Ausbildungsteam des SCM - positiv wie negativ. Als der 22-Jährige Mitte der ersten Hälfte in die Partie kam, brachte er spürbar Belebung in das Angriffsspiel Anhalts. Insgesamt erzielte er vier Treffer. "Da waren richtig gute Sachen dabei", sagt auch Trainer Martin Ostermann. Aber: Godon hat auch unüberlegte und daher schlechte Entscheidungen getroffen: Der hoch talentierte Rückraumspieler wandelte auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Nicht zum ersten Mal.

Godon ist vielleicht derjenige unter den vielen jungen Akteuren des SV Anhalt, mit dem größten Potenzial. "Er bringt alles mit", findet Ostermann. Der Rechtshänder hat mit seinen 1,90 Meter die nötige Größe und auch die spielerische Klasse für eine tragende Rolle im Angriff, "Er kann das Besondere ins Spiel bringen", beschreibt der Trainer das. Und auch in der Deckung kann Godon ohne Bauchschmerzen eine wichtige Rolle spielen. Nur fehlt ihm die Konstanz.

Gute Aktionen haben sich auch am Freitag mit nicht so guten abgewechselt. Einem wichtigen Tor folgte zum Beispiel der unnötige Versuch, eines Passes hinter dem Rücken an den Kreis. "Wir sind dran, sein Selbstverständnis zu ändern", sagt Martin Ostermann.

Die Krux an der Sache ist das situative Denken, denn: "Marc nimmt sich Dinge vor", erklärt der Trainer. Will er beispielsweise einen Pass hinter dem Rücken spielen, macht er das. Auch wenn es die Situation gerade nicht hergibt. "Das funktioniert nicht. Wir müssen ihm beibringen, dass nicht der tolle Gedanke am Ende zählt, sondern die richtige Entscheidung in der jeweiligen Situation", so Ostermann. Man muss das Genie vom Wahnsinn trennen.

SVA: Link, Mohs; Cieszynski (5), Kraft, Marschall, Heyer, Friedrich, Ackermann (6), Schulze, Sliwka (3), Grafenhorst (n.e.), Berends, Richter (11/3), Godon (4)

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